Zwischen Barockschloss und Jade-Weser-Port, zwischen Tradition und Moderne bietet der östliche Teil der ostfriesischen Halbinsel ein vielfältiges Bild.

 
Maria von Jever (SJV)

Vom friesischen Fräulein zur russischen Zarin

Jever entwickelte sich seit dem 10. Jahrhundert zu einem wichtigen Handelsplatz. Zu Füßen des Stadthügels, der sich als Geestsporn in das Marschland vorschiebt, lag einst der Hafen mit Anschluss an das Fahrwasser der Jade. Nach seiner Verlandung übernahm Hooksiel 1583 diese Rolle. Jever blieb jedoch Verwaltungs- und Versorgungszentrum für das Umland. Die heute noch erhaltene Schlossanlage spiegelt die Geschichte Jevers wider: Im 14. Jahrhundert errichteten friesische Häuptlinge hier eine Wasserburg mit Turm und Steinhaus als Mittelpunkt der "Herrschaft Jever". Die heutige Vierflügelanlage geht auf "Fräulein Maria", die letzte friesische Regentin (1500-1575), zurück. Unter ihrer Herrschaft erhielt Jever die Stadtrechte.

 
Katharina II. (SJV)

Die Herrin von Jever

Nach ihrem Tod fiel das Gebiet zunächst an die Grafschaft Oldenburg und von dort 1667 an Anhalt-Zerbst, dessen Fürsten es bis 1793 regierten. Aus dieser Zeit stammen der barocke Ausbau des Schlosses und die Zwiebelhaube seines Turmes. 1793 wurde die Zarin Katharina II., eine gebürtige Zerbster Prinzessin, Herrin von Jever. Schließlich fiel das Gebiet 1818 an das Großherzogtum Oldenburg. Wirtschaftsgebäude und Befestigungsanlagen des Schlosses verloren ihre Funktion und wurden abgerissen.

 
Julius Preller, Neuenburger Urwald, um 1885 (LMO)

Ausgedehnte Waldgebiete und Moore, darunter der Neuenburger Urwald mit seinem geschützten Baumbestand, erstrecken sich in der Friesischen Wehde im südlichen Jeverland. In Bockhorn, dem Zentrum einer alten Ziegelindustrie, wird der anstehende Ton zu roten Klinkern gebrannt, die im Hausbau Nordwestdeutschlands weit verbreitet sind.

 
Auslaufende Schiffe (WHV)

Junge Stadt mit großen Plänen

Der Lage am Fahrwasser der Jade verdankt die Stadt Wilhelmshaven ihre Entstehung. 1853 als preußischer Kriegsmarinehafen gegründet, zeigt der Straßenverlauf bis heute die Planmäßigkeit der Anlage. Die Geschicke der Stadt - der Aufschwung vor 1914, der Beginn der Revolution 1918, die schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und der spätere Bau eines Ölhafens - waren immer eng mit der Geschichte der preußisch-deutschen Marine verbunden. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang in den 1980er Jahren schickt sich Wilhelmshaven nun an, mit dem Bau eines neuen Tiefseehafens die wirtschaftliche Führung in der Region zu übernehmen. Zahlreiche wissenschaftliche Institute machen es darüber hinaus zu einem Zentrum der deutschen Küsten- und Meeresforschung.

Dr. Beate Bollmann