„Kurz, der Trank wird Mode
In Europas Welt,
Man trinkt sich zu Tode,
Trinkt, bis man verfällt.“

So eine besorgte Stimme zum stetig wachsenden Kaffeekonsum im Jahre 1772. Zu der Zeit hatte der Kaffee von Asien aus bereits einen Siegeszug hinter sich. 65 000 t wurden um 1780 in Europa konsumiert, Mitte des 19. Jahrhunderts waren es bereits 294 000 t und Anfang des 20. Jahrhunderts lag die Zahl bei über 1 Mill. t.

 

 
Schulwandbild ´Kaffee-Ernte´, F. Dannenberg-Pestalozzi-Fröbel Verlag, um 1900 (MD)

Herkunft und Verbreitung des Kaffees

Heute nimmt man an, dass der Kaffee aus Äthiopien stammt, wo er bereits im 9. Jahrhundert erwähnt wurde. Von dort gelangte er über Handelswege nach Arabien und fand schnelle Verbreitung in öffentlichen Kaffeehäusern in Kleinasien, Syrien und Ägypten. Nach Europa gelangten die ersten Kaffeebohnen als Mitbringsel von Privatpersonen, die das Kaffeetrinken in den Kolonien kennen gelernt hatten. Nennenswerte Verbreitung fand der Kaffee zu allererst in den Hafenstädten und Handelszentren Europas, wo er rasch zum gewinnbringenden Handelsprodukt aufstieg. Die Niederlande forcierten den Kaffeeanbau in ihren Kolonien und sicherten sich so eine europäische Vormachtstellung im Kaffeehandel. Staatliche regressive Maßnahmen gingen mit dem steigenden Verbrauch einher. Man verhängte Einfuhrzölle und belegte die Händler mit Lizenzen, die gegen hohe Kosten erworben werden konnten. Als auch diese den ungehinderten Import nicht stoppen konnten, verhängte man Kaffeeverbote, die aber in erster Linie den Kaffeeschmuggel Vorschub leisteten.

 
Kranenkanne, 2. Viertel 18. Jh. (SJV)

Orientbegeisterung steigert Kaffeeverbrauch

Das Interesse an allem „Orientalischen“ war zu der Zeit außerordentlich hoch, dies veränderte nicht nur die Konsumgewohnheiten der Bevölkerung sondern schlug sich auch in der Kunst und Kultur der Zeit des 18. und v. a. 19. Jahrhundert nieder. Ereignisse wie der mehrmonatige Besuch des türkischen Gesandten mit seinem 300 Personen umfassenden Gefolge 1665 in Wien und 1669 in Paris schürten diese Begeisterung. Scharenweise besuchte die Wiener Bevölkerung die (Lager) der Gesandten um staunend den „orientalischer Luxus“ zu betrachten und fremde Lebensweisen kennen zu lernen. Die Klagen der Gastgeber über den unnatürlich hohen Holzverbrauch, der allein durch das ständige Bereithalten von heißem Wasser zum Kaffeekochen zu erklären sei, verhallten angesichts dieser Faszination. Das Tee-, Schokolade- oder auch Kaffeetrinken wurde in Europa hoffähig, man schuf sich so eine Atmosphäre des Fremden und Exotischen.

 
D. Lis, ´Tischgesellschaft´, 18. Jh. (OLM)

Berühmte Kaffeetrinker

Kaffee war ursprünglich sehr teuer, so dass sich nur gut situierte Personen den Genuss leisten konnten. Man weiss, dass der englische Arzt und Anatomieprofessor William Harvey zu den regelmäßigen Kaffeetrinkern gehörte. Er hatte es wahrscheinlich während seines Studiums in Padua kennen gelernt. Böse Zungen behaupteten, dass er den Blutkreislauf des Menschen 1628 nur entdeckt habe, weil er durch seinen übermäßigen Kaffeekonsum sein Blut dermaßen zum Hin- und Herfließen gebracht habe, das er gar nicht anders konnte, als sich dieses Phänomen als Kreislauf vorzustellen. Ludwig van Beethoven soll exakt 60 Kaffeebohnen abgezählt haben, um sich daraus eine Tasse Mokka zuzubereiten und Honoré de Balzac konnte angeblich ohne seinen extra starken Mokka keine Zeile schreiben. Die Idee des Destillierens von Kaffeebohnen soll von Johann Wolfgang von Goethe stammen, daraufhin entdeckte der Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge das Koffein.

 
Kaffeedose, 20. Jh. (SHM)

Probekaffeeküchen, „fliegende Stände“ und Kaffeehäuser

Durch Probekaffeeküchen, ambulante Kaffeestände auf Märkten und die stetig steigende Zahl von Kaffeehäusern versuchte man den Genuss von Kaffee auch einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich zu machen. In Venedig wurde 1645 das erste Kaffeehaus eröffnet, in London 1652 und in Wien öffnete 1683 das erste Wiener Kaffeehaus. In Deutschland wurde Kaffee erstmals 1673 in Bremen öffentlich ausgeschenkt. 1697 wurde das erste Bremer Kaffeehaus im Haus Schütting eröffnet. Nach anfänglichen eher primitiven am orientalischen Vorbild orientierten Einrichtungen wurden die Kaffeehäuser mehr und mehr zu luxuriösen Treffpunkten. Waren die ersten Kaffeehäuser noch kleine Bretterverschläge, in denen man der „orientalischen Mode“ gemäß auf dem Fußboden saß, wiesen die Lokale der späteren Jahre jede denkbare Bequemlichkeit auf, die ihnen den Ruf von Luxus und Müßiggang sicherten. Wobei der öffentliche Kaffeegenuss bis ins 19. Jahrhundert der Männerwelt vorbehalten war, Frauen konnten erst mit dem Aufkommen von Konditoreien und Kaffeepavillons dem öffentlichen Kaffeetrinken frönen ohne ihren guten Ruf zu verlieren.

 
Kaffeemühle, 20. Jh. (SHM)

Kaffee, Kaffeeersatz und entkoffeinierter Kaffee

Kaffee wird aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen hergestellt, wobei die Röstung und der Mahlgrad je nach Zubereitungsart unterschiedlich sind. Botanisch gesehen handelt sich bei der Kaffeebohne nicht um eine Bohne sondern um eine Kirsche, aber der Begriff Kaffeebohne hat sich eingebürgert, so dass man den Begriff beibehalten hat. Es gibt zahlreiche Versuche den Kaffee durch Ersatzstoffe zu ersetztem, wie aus gebrannten Getreide, Rübenschnitzeln, Erbsen, Lupinen und Eicheln – diese Liste ließ sich noch um unzählige Ingredienzien erweitern. Dem Bremer Kaufmann Ludwig Roselius gelang es, dem Kaffee seine anregende Wirkung zu entziehen, Ende des 19. Jahrhundert erfand er den entkoffeinierten Kaffee.

Christina Hemken

Quelle: Ulla Heise: „Kaffee und Kaffeehaus – Eine Kulturgeschichte. Leipzig 1987“