Ein Werk des Teufels

Der mehr als 500 ha große und bis zu 10 m tiefe Flachsee ist wahrscheinlich im Verlauf der Weichsel-Eiszeit entstanden, allerdings nicht unter Einwirkung der Eismassen selbst, sondern aus einem Salzstock, der ausgelaugt wurde und danach zusammengebrochen ist.
Frühere Theorien hingegen besagten, dass der erste Kirchenbau in Oldenburg Anlass zur Entstehung dieses Meeres gab: Der Teufel war darob nämlich so erzürnt, dass er einen Wald ausriss, um die elenden Christen darunter zu begraben. Aufgrund widriger Umstände verlor er jedoch den Wald auf dem Weg, und nur das Loch, wo er den Wald weggenommen hatte, bleibt bis heute. Vier Bäche speisen den See, zwei Auen bilden den Abfluss - daher der Name: „Zwischenahn" bedeutet ursprünglich „zwischen den Auen".

 
Kurbetrieb seit 1616 (BZT)

Kurbetrieb seit 1616

Damals suchten viele Menschen Heilung durch eine Trinkkur an einer Quelle bei Helle, wenige hundert Meter vom Meer entfernt. Besonders Gehbehinderte versprachen sich Linderung ihrer Leiden, aber schon 1664 blieben die Kurgäste aus, und nur noch die „vielen Krücken der hier Genesenen", wie es heißt, waren zu finden. Um 1800 entstand dann ein eigentlicher Badebetrieb und entwickelte sich langsam, aber stetig. 1869 folgte der Anschluss Zwischenahns an die Eisenbahn, mit der Folge, dass Erholungssuchende aus Platzmangel abgewiesen werden mussten. Größter Anziehungspunkt war eher die Landschaft als solche denn das Wasser; das „Oldenburgische Tempe" war schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts beliebter Ausflugsort der Stadtoldenburger. Den Titel ‚Bad’ darf Zwischenahn seit 1919 führen.

 
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Eine verschwundene Burg

Am nördlichen Seeufer liegt der Ort Dreibergen, der seinen Namen von drei kleinen Hügeln herleitet, die hierzulande allerdings selbstverständlich als ‚Berge’ erscheinen müssen. Kein Wunder, denn sie sind gar keine natürlichen Erhebungen, sondern wurden im Mittelalter künstlich aufgeschüttet. Zur Mitte des 12. Jahrhunderts hin baute man darauf eine von Gräben umgebene Burganlage. Diese Wehrbefestigung behielt immerhin über mehr als hundert Jahre eine gewisse Bedeutung - dann wurde sie aber aufgegeben, und im Laufe der Zeit ganz vergessen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Anhöhen bereits von „urwäldischen Buchen und Eichen" bewachsen, und nur zahlreiche Kleinfunde bei Ausgrabungen lassen Rückschlüsse auf die ehemalige Bebauung zu.

 
Ammerländer Spezialität (BZT)

Heet un sööt

Neben geräuchertem Fisch (Smortaal) und Fleisch (Ammerländer Schinken) dürfen regionale Getränkespezialitäten nicht vergessen werden - wobei es sich weniger um einzigartige Substanzen handelt als vielmehr um eine einzigartige Weise des Genießens: Für ‚Heet un Sööt’ wird Bier erhitzt, mit Zucker gewürzt und so lange hin und her gegossen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Hermann Löns, der Zwischenahn 1910 besuchte, war besonderer Freund dieses Getränks. Ein anderer heimatbegeisterter Dichter setzte dem so genannten und noch heute gern für Touristen zelebrierten Löffeltrunk ein literarisches Denkmal:

„Und wir saßen selbdritt im hundskalten Hornung am offenen Kamin bei glühender Glut, tranken den Doornkaat zitternd aus zinnernen Löffeln, über uns, rauchgeschwärzt, war Decke und Balken bespickt mit Schinken und Würsten. In der Ecke wiehert das Pferd, es gackern dicht gedrängt auf der Stange die Hühner, es meckert die Ziege und das Rad des Butterfasses tritt eiligen Laufes der Hund: Tier und Mensch unter einem Dach! Wir saßen selbdritt im hundskalten Hornung am offenen Kamin und blickten stumm auf die flackernde Flamme - - -. Das ist Ammerland." (Hans Thimoteus Kroeber)

 
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Wassersport

Motorboote sind auf dem Zwischenahner Meer verboten, aber man kann ja immer noch auf Segeln, Rudern, und Tretbootfahren ausweichen. Ein bewachter Badestrand lädt ein zum Plantschen, und wer den Fisch nicht kaufen möchte, kann ihn sich - mit Erlaubnisschein! - selbst angeln. Gelegenheit zur Bewegung bieten auch das Ammerländer Bauernhaus, ein Heimatmuseum, und der Park der Gärten, der anlässlich der Landesgartenschau 2002 eingerichtet und weiterhin bewirtschaftet ist.

Simone Vossmann