„Diese Bilder sind zwar effektvoll und ausgezeichnet gemalt, aber die Bäume, die Bäume scheinen mir nicht allzu naturgetreu dargestellt worden zu sein! Solch' phantastische Eichen, wie sie auf diesen Gemälden zu sehen sind, dürfte es in ganz Deutschland nicht mehr geben!“
König Ludwig I von Bayern1

 
 Friedrich Preller d.Ä.: Urwald, um 1860 (3)

Mit diesen Worten kommentierte angeblich der bayrische König Ludwig der Erste ein Gemälde der „Hasbruch-Eichen“ von Ernst Willers. Worauf der Künstler erwidert haben soll: „mit Verlaub Majestät, die dargestellten Eichen gibt es in Deutschland, und sie sind nichts anderes, als das keuscheste Abbild der Natur. Ihre Vorbilder stehen in Oldenburg, in einem Waldgebiet, das Hasbruch genannt wird!“. Nicht vollständig überzeugt, sandte der König einen bayrischen Hofmaler, um den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Nach seiner Rückkehr bezeugte er dem König gegenüber die Darstellung des Oldenburger Künstlers und berichtete von der „Überwältigen Fülle der schönsten malerischen Motive“2.

 
Ludwig Phillip Strack: Mansholter Eiche, 1832 (4)

Eichen-Hainbuchen-Mischwald

Das ca. 650 Hektar große Waldgebiet liegt am Rande der Delmenhorster Geest zwischen Hude und Ganderkesee im Landkreis Oldenburg. Zur herausragenden Stellung des Hasbruchs: „Dieser Eichen-Hainbuchen-Mischwald gehört zu den wenigen Wäldern, die nach der letzten Eiszeit und der Wiederbewaldung Nordeuropas immer am gleichen Standort erhalten geblieben sind. Es gibt nur noch wenige Wälder dieser Art in Europa. In seiner ökologischen und kulturgeschichtlichen Bedeutung ist der Hasbruch deshalb z.B. mit dem Wald in Fontainebleau in Frankreich oder dem New Forest in England vergleichbar.“3

 
Staatliche Oberförsterei' Hasbruch, um 1900 (5)

Naturschutz und Artenvielfalt

Dank seines hohen Alters, der besonderen Bodenverhältnisse und den Naturschutzbestimmungen weist der Hasbruch eine besonders hohe Artenvielfalt, von zumeist stark gefährdeten Tieren und Pflanzen, auf. So wurden u.a. über 300 verschiedene Schmetterlinge, über 150 Brutvogelarten, 1000 verschiedene Pilzarten und über 150 unterschiedliche Arten Moose und Farne gezählt. Damit zählt der Hasbruch zu einem Refugium seltener Flora und Fauna in Norddeutschland.4

 
Der Hasbruch auf der Landkarte des oldenburgischen Deichgrafen und Kartografen Johann W. A. Hunrich, 1761 (6)

Die erste schriftliche Erwähnung findet sich als „Aschbrouch“ in einer Urkunde aus dem Jahr 786, womit im Niederdeutschen „Gewässer, Moor, Niederungsgebiet“ bezeichnet wird. In einem Vertrag aus dem 13. Jahrhundert wird den Bauern die landwirtschaftliche Nutzung von dem nahe gelegene Zisterzienserkloster als Eigentümerin zuerkannt. Vor allem durch großflächige Rodungen und die Nutzung des Hasbruchs als Hutewald verringerte sich die Waldfläche um ein Vielfaches. Anfang des 19. Jahrhunderts ordnete Herzog Friedrich August von Oldenburg erste Maßnahmen zur Erhaltung des Hasbruchs durch umfangreiche Wiederaufforstungsmaßnahmen an. Später wurde das gesamte Waldgebiet unter Naturschutz gestellt und einige Eichen als Naturdenkmäler bestimmt.5

 
Ruine einer alten Eiche (7)

Baumriesen im Hasbruch

Die Hainbuchen und vor allem die über 1000 Jahre alte Eichen prägen das Bild des Hasbruchs. Einige von Ihnen benannte man nach historischen Persönlichkeiten. So soll Anfang des 19. Jahrhunderts die „Amalieneiche“ nach einer Prinzessin des Herzogshauses Oldenburg und späteren Königin von Griechenland bezeichnet worden sein. Die über 1200 Jahre alte Amalieneiche maß im Durchmesser 3 Meter, und im Umfang 12 Meter. Als sie am 12. Februar 1982 zusammenstürzte, berichtete die regionale wie überregionale Presse „vom Tod des Baumriesens“.

 
Friedrich Preller d. Ä.: 'Alte Eiche', o.J. (8)

 

Die Friederikeneiche, benannt nach Friederike Elisabeth Amalie von Oldenburg, gilt heute mit ihren etwa 1200 Jahren als älteste Eiche im Hasbruch und ältester Baum Niedersachsens. Im Umfang mißt sie 7,50 m und sie besitzt die stattliche Höhe von 30 Metern. Sie ist die einzige noch „lebende“ Tausendjährige. An der „Liedertafeleiche“ trafen sich Chöre aus der Region zum gemeinsamen Singen. Nach dem sie 1926 unter einer Schneelast umgestürzt war, trifft man sich heute einmal jährlich an der Jagdhütte. Andere Eichen nannte man nach preußischen Politikern oder Generälen, wie Bismarck oder Moltke oder gab ihnen den Namen von „Hasbruchmalern“ wie Fischbeckeiche oder Ahlerseiche.

 

"Die Dicke Eiche"

Die bekannteste und einstmals imposanteste Eiche ist die „Dicke Eiche“. „Am 8. Juli 1923 starb sie den Flammentod, den Leichtsinn verursacht hatte“. In der Forstamtschronik ist zu diesem Vorfall zu lesen: „Am Sonntag, den 8. d. Mts., ist die sogenannte 'Dicke Eiche' im Schutzbezirk Hasbruch II. durch die Fahrlässigkeit von Angehörigen eines Turnvereins völlig niedergebrannt und zusammengestürzt. Dem Holzwärter Schier zu Habbrügge wurde etwa um 4 Uhr in der Jagdhütte gemeldet, daß oben in der 'Dicken Eiche' ein Rauchschaden entstanden sei... Der zuständige Gendameriestandort Falkenburg wurde sofort... benachrichtigt. Inzwischen hatte sich durch Zug und Gegenzug, durch das Holhlsein der Eiche bedingt, und besonders wohl dadurch, daß oben von der Stelle, wo der erste Rauchschaden entstanden war, glimmende Teile nach unten gestürzt sind, der Brand im ganzen Innern der Eiche verbreitet... Die Tätigkeit der herangezogenen Arbeiter mußte sich auf Absperrungen zum Schutze des zahlreich vorhandenen Sonntagspublikums beschränken... Kurz nach 8 Uhr ist dann die Eiche zusammengestürzt...“6

 
Ausflug der Familie August Schröder zur Dicken-Eiche in den Hasbruch, um 1900 (10)

Der Hasbruch und die Landschaftsmaler

In der Spätromantik gelangte der Hasbruch zu besonderen Ehren. Er galt unter den deutschen Malern als „Zauberwald“, deren eindrucksvollen Eichen sich auf zahlreichen Werken finden. So soll Moritz von Schwind zu seinen Sagen- und Märchenwalddarstellungen durch den Hasbruch inspiriert worden sein. Ausstellungen im In- und Ausland festigten den Ruf als besonders romantischen Sehnsuchtsort, mit außergewöhnlichen Sujets. Der Hasbruch übte eine starke Anziehungskraft auf Landschaftsmaler aus ganz Deutschland aus, was vielfach auf Unmut der Einheimischen stieß, die sich über die „herumziehende Palettenjüngern“ und „Lockenköpfe" beklagten.7

 

 
Ernst Willers: Eiche im Hasbruch, o.J. (11)

Den Hasbruch als motivgebenes Element seiner Malerei „entdeckt“ haben soll der 1761 im hessischen Haina geborene Maler Ludwig Philipp Strack, ein Verwandter der weit verzweigten „Künstlerfamilie“ Tischbein. Nach Stationen in Lübeck, Hamburg und einem fünfjährigen Italienaufenthalt, entschloß er sich Hofmaler am Eutiner und später Oldenburger Hof zu werden. Wenn Strack auch der erste gewesen sein soll, der den Hasbruch gemalt hat, so ist er national vor allem durch die Werke von Ernst Willers, einer der bedeutendsten Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts, bekannt geworden. 1803 in Oldenburg geboren, studierte er zuerst an der Düsseldorfer Akademie, später bei J. C. Clausen Dahl in Dresden. Obwohl er 26 Jahre in Italien verbrachte, verlor er nie den Kontakt zum Oldenburgischen Hof. Auf Wunsch des Großherzogs Nikolaus Friedrich Peter unternahm er z.B. eine zweijährige Studienreise nach Griechenland. Er widmete sich in seinen Werken vor allem Landschaften in Italien und Griechenland, aber auch Motive seiner norddeutschen Heimat.

 
Ludwig Fischbeck: Die Sophie-Charlotten-Eiche im Hasbruch, 1937 (12)

Neben Strack und Willers beschäftigte sich auch der aus Thüringen stammende Künstler Friedrich Preller d.Ä. in einer Reihe von Arbeiten mit dem Hasbruch. Ausgebildet in Weimar und auf Fürsprache von Johann Wolfgang von Goethe bei Carl Gustav Carus in Dresden und an der Antwerpener Akademie reiste er für einen dreijährigem Studienaufenthalt nach Italien. Nach Stationen u.a. in Norwegen wurde er Zeichenlehrer in Weimar. Seine Vorliebe für „Baumriesen“ führte ihn nach Norddeutschland, z.B. in den Neuenburger Urwald und in den Hasbruch.

 
Wilhelm Ahlers: Gespensterwald, 1966 (13)

Als „der Alte vom Hasbruch“ 8 wird der Maler Ludwig Fischbeck genannt. Ausgebildet an der Münchener Akademie wurde er Hofkunsthändler in Oldenburg. Er widmete sich in zahlreichen Radierungen und Gemälden seinem Lieblingsmotiv, dem Hasbruch. Nach ihm wurde die „Fischbeck-Eiche“ benannt. Neben dem bekanntesten „Hasbruch-Maler“ Ludwig Fischbeck sind u.a. noch Helene Strack, Richard tom Dieck, Heinz Witte-Lenoir, Magarethe Francksen-Kruckenberg, Rolf Meyer und Wilhelm Alhers zu nennen. Der Hasbruch war aber nicht nur für Künstler des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ein beliebter Motivort, auch zeitgenössische Künstler beschäftigen sich in ihren Werken mit dem Hasbruch.

 
'Anzeige aus der

Wanderwege und "Sommerfrische"

Aber nicht nur Maler, auch Dichter, Schriftsteller und Naturwissenschaftler fühlten sich von der pittoresken Landschaft angezogen. So findet sich ein Artikel über den Hasbruch in der bekannten Monatszeitschrift „Gartenlaube“ von 1880, der mit Stichen von August Presuhn und Ferdinand Lindner illustriert wurde. Zum beliebten Ausflugsort avancierte der Hasbruch Ende des 19. Jahrhunderts. Es wurden Wanderwege angelegt und zahlreiche Schankwirtschaften eröffneten, um die Erholungssuchenden aus der näheren und weiteren Umgebung, die mit der Eisenbahn anreisten, zu verpflegen. Der bekannteste Gasthof war die „Sommerfrische“, der in Anzeigen und auf Bildpostkarten vor allem die direkte Nähe zum Hasbruch betonte.

Christina Hemken