„...Wolfgang Heimbach/geboren zu Ovelgönne / der von Natur stumm und taub und durch des H(errn) Grafen (Anton Günther von Oldenburg) Recommandation, wegen verspürter Neigung in der Jugend bei einem Kunstmaler getan / in Niederlande und Italien gereiset / woselbst er 12 Jahre lang verblieben / bei Papst / Kardinälen und vornehmen Herren / seiner lobwürdigen Kunstmalerei halber / sehr beliebt / nach Ausweis seiner Bullen und Briefe / gehalten werden: hat sich endlich wieder anhero zu seinem gnädigen Landesherren an (den) Hof begeben. Ist gegenwärtig ein Mann von 50 Jahren / gar nachdenklich und aufmerksam / also daß er an des anderen Auge und Mund / auch durch andere Zeichen seine Meinung abnehmen und wieder von sich geben kann / das, was der höchste Gott diesem Kunstmaler weder ersetzet / wessen er ansonsten von Natur beraubt ist.“1

 
Selbstbildnis, 1660 (3)  

Heimbachs Lebensweg fußt auf Hypothesen, die sich lediglich anhand seiner, teils datierten und mit Ortsangaben versehenen Werke, einiger Urkunden und Briefe und weniger zeitgenössischer Quellen nachzeichnen lässt. Sein umfangreiches Ouvre begründen seinen Ruf als berühmten Maler der Barockzeit, dessen Werke in zahlreichen europäischen Museen und Sammlungen zu finden sind.2 Dabei waren vor allem die Portrait und Genremalerei, aber auch Landschaftsmalerei, Festbilder, Historien sowie Alltagsdarstellungen und Stillleben Gegenstand seines Gesamtwerkes, das sich auf über 100 Gemälden und fünf Zeichnungen beziffert. Er bevorzugte dabei vor allem kleinformatige Bilder, hauptsächlich ausgeführt in der Technik Öl auf Leinwand oder Öl auf Kupfer.

 
Graf Anton Günther von Oldenburg, um 1650 (4)

Geboren wurde Heimbach wahrscheinlich um 1615 in Ovelgönne bei Brake, als Sohn des aus Thüringen stammenden gräflichen Frucht- und Kornschreibers Wolff Heimbach. Andere Quellen weisen auf den Zeitraum von 1610 bis 1625 hin. Wie das Geburtsdatum ist auch der Geburtsort nicht eindeutig zu klären.3 Taubstumm geboren, konnte Heimbach sowohl von den Lippen ablesen als auch Deutsch und Latein lesen und schreiben. Später wurde er stets von einem Diener begleitet, der ihn in schwierigen Gesprächssituationen unterstützte. Über sein Privatleben ist wenig bekannt, eine Eheschließung, bzw. Familiengründung wird in keiner Quelle erwähnt. 

 
Frühstücksstilleben mit Magd hinter einem Fenster, 1670  (5)

Studienreise in die Niederlande

Sein Talent fiel dem Oldenburger Hof schon sehr früh auf, und so reiste er auf Protektion Graf Anton Günthers ca. 1630 zu einer mehrjährigen Studienreise in die Niederlande, um sich als „Feinmaler“ ausbilden zu lassen. Neben Amsterdam besuchte er wahrscheinlich Werkstätten berühmter Maler in Haarlem, Delft, Den Haag, Utrecht und vermutlich Antwerpen , wodurch sein Werk entscheidend geprägt wurde.  So spiegeln sich Einflüsse von Frans und Dirck Hals, Willem Cornelius Duyster, Pieter Codde, Gerard van Honthorst, Jan Miense Molenaer, Willem Byutewck in seinen Gemälden wider.4  Über das früheste datierte Bild aus dieser Zeit gibt es wie bei fast allen biographischen Angaben sich widersprechende Aussagen, ob es das „Brustbild einer Dame“ von 1628, bzw. 1638 oder das „Knabenbildnis“ von 1633, bleibt unklar.5

 
Vornehme Gesellschaft, 1636 (6)

"Vornehme Gesellschaft"

Spätestens 1636 kehrte Heimbach nach Ovelgönne zurück, wo er nachweislich auch für bremische Auftragsgeber arbeitete. Aus dieser Zeit stammt neben Portraits Bremer Bürger, auch das Gemälde „Vornehme Gesellschaft“ oder auch „Hochzeitsgesellschaft“, sein am häufigsten publiziertes Werk. 

 
Badende Mädchen, 1652? (7)

Um 1640 bis 1652 sind Aufenthalte in Wien, Italien, Nürnberg, Böhmen und Brüssel nachweisbar. Belegbar ist seine Tätigkeit in der Zeit u. a. für Erzherzog Leopold Wilhelm, Papst Innozenz X, dem Großherzog Ferdinand II Toscana und Herzog von Amalfi, Ottavio Picolomini. Leider lässt sich seine genaue Reiseroute nicht lückenlos nachvollziehen. Aber anhand seiner Werke und Auftraggeber lassen sich einzelne Stationen identifizieren. In Wien entstand, neben Portraits z.B. das des Erzherzogs Leopold Wilhelm, das „Nächtliches Bankett“, das einige Autoren für sein Hauptwerk halten.6 Bei dem dargestellten Saal soll es sich um den Rittersaal der Alten Hofburg handeln 7, andere Quellen wollen die Räumlichkeit als das Augsburger Rathaus identifizieren.8

 
Kücheninterieur, 1648 (8)

Nach dieser Reise veränderte sich nicht nur seine Vorliebe für „erdige“ Farbtöne zu deutlich kontrastreicherer Farbgebung, sondern auch seine Bildsujets bereicherte er durch zusätzliche Bildthemen, wie sog. Badeszenen und Stillleben. Während sich die Auftraggeber seiner Portraits vorher hauptsächlich aus dem bürgerlichen Umkreis zusammensetzten, kamen sie jetzt zunehmend aus dem höfischen Milieu.9

 
Jüngling mit Öllampe (9)

Hofmaler in Kopenhagen

Ende 1651 kehrte er nach Ovelgönne zurück und erhielt am 2. Mai 1652 10 eine Anstellung beim Oldenburger Hof für 200 Reichsmark bei freier Kost und Logis, wobei der Vertrag nicht verlängert wurde und er bereits am 12. November 1652 wieder aus dem Dienstverhältnis ausschied.11 Daher nahm er 1653 das, bereits 1652 offerierte Angebot an, als Hofmaler König Friedrich III Dänemark/Norwegen nach Kopenhagen zu gehen, wo er bis wahrscheinlich bis 1663 blieb. Der Kopenhagener Hof galt zu der Zeit als äußert kunstliebend, so waren vor allem holländische Künstler für den dänischen Hof tätig, wobei Heimbach aber der einzige Genremaler war.12

 
Der Kranke, 1669 (10)

1662/63 kehrte er zurück in das Oldenburger Land und bemühte sich vergeblich um eine Anstellung beim Oldenburger Hof 13. Nach Morsbach begab sich Heimbach ein zweites Mal nach Kopenhagen auf der Suche nach einer Anstellung 14. 1669 war er aber wieder in Ovelgönne, wofür zwei datierte und mit Ortsangabe versehene Gemälde sprechen: „Der Kranke“ und das „Volksfest in Venedig“. „Der Kranke“, datiert 1669 und das ein Jahr später entstandene Werk „Frühstücksstilleben mit einer Magd“ zählen als Ausnahmewerke innerhalb seines Gesamtzykluses. „Die Komposition hebt sich aus der Vielzahl der Nachtstücke und der Reihe der Gesellschaftsszenen der dreißiger Jahre durch die bei Tageslicht gegebene trockene Sachlichkeit und die eigenständige Erzählung ab“.15

 
Bildnis des Georg Ludwig, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg (1660-1727)  (11)

Am 10. April 1670 16 oder am 8. Dezember 1670 17 tritt Heimbach in den Dienst des Fürstbischofs von Münster Christoph Bernhard von Galen ein. Wie lange er sich im Münster und Coesfeld aufhielt, lässt sich nicht klären, aber das Reiterbildnis von 1674, das den Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen als Belagerer der Stadt Groningen zeigt, genauso wie das Portrait Georg Ludwig, Herzog von Braunschweig-Lüneburg lassen vermuten, dass Heimbach auch Mitte der 70er Jahre noch dort tätig war. Auch die Ortsangabe Münster auf seinem Werk „Abendliche Unterhaltung am Kamin“ mit der Datierung 1675 spricht dafür. Ob er sich bis zu seinem Tod, wahrscheinlich nach 1678 im Oldenburger Land oder im Raum Münster aufgehalten hat, ist nicht belegt. 18 Die Angabe nach 1678 wird vermutet, weil die letzten erhaltenen zwei Gemälde mit der Jahreszahl 1678 datiert sind: das Portrait Georg Ludwig, Herzog von Braunschweig-Lüneburg sowie “Die Wachstube“.

 
Rückkehr der heiligen Familie aus Ägypten, 1657 (12)

Stimmen zu Wolfgang Heimbach

Zu der Rolle und Bedeutung, die „Der taubstumme Maler von Ovelgönne“ Wolfgang Heimbach in der deutschen Kunstgeschichte einnimmt, heißt es beispielsweise: „Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen deutschen oder gar internationalen Meistern war Heimbach kein herausragender Künstler; indes sind seine aus einer 'naiven Erzählfreude' und der stete 'Befangenheit im Dinglichen' resultierende 'Fähigkeit zu charakterisieren' sowie die minutiöse Durchführung seiner Kunstwerke als besondere, eigenwillige Leistungen hervorzuheben. Sie zeichnen ihn als aufschlußreichen Dokumentaristen seiner Zeit und als einen der wichtigsten norddeutschen Genre- und Portraitmaler des 17. Jahrhunderts aus.“ 19 Und zu dem im Oldenburger Landesmuseum befindlichen 31 x 27 mm großen Miniaturportrait des Grafen Anton Günther „Sein winziges Bildnis des greisen Anton Günther stellt jedoch alle in dieser Sparte vorangegangenen Werke in den Schatten und findet nach heutigen Kenntnisstand nicht seinesgleichen in den Miniaturen des 17. Jahrhunderts!“ 20

 Christina Hemken

Anmerkungen

(1) Der Oldenburger Hofchronist Johann Justus Winkelmann 1671 in der sog. Winkelmann-Chronik. In: Gilly, 1983, S. 89
(2) Vgl. Gilly, 1983, S. 121 und Morsbach, 1999, S. 106
(3) Vgl. Göttsche 1935, S. 14f.; Kindel, 1999, S. 21; Morsbach, 1999, S. 17
(4) Vgl. Morsbach, 2008 S. 81f und Schlüter-Göttsche 1966, S. 9
(5) Morsbach 1999, S. 30. Vgl. Göttsche 1935, S.20
(6) Göttsche 1935, S. 34
(7) Gerhardt, Walter, in: Morsbach, 2008 S. 81
(8) Bushardt, Bruno, in: Morsbach, 1999, S. 44
(9)  Kindel, 1999, S. 31
(10) Vgl.  Göttsche 1935, S.17 „3. Mai 1952“. Vgl. Morsbach, 1999, S. 19, demnach erhielt er am 25. April 1952 eine Anstellung
(11) Gilly, 1983, S. 92
(12) Gilly, 1983, S. 68f
(13) Vgl. Morsbach, 1999, S. 12, ist er erst am 1. Januar 1665 wieder in Oldenburg urkundlich bezeugt
(14) Morsbach, 1999, S. 13
(15) Morsbach 2008, S. 165
(16) Morsbach, 1999, S. 13 lassen sich Gehaltszahlungen für den Zeitraum 10. April 1670 bis 25. April 1672 nachweisen
(17) Gilly, 1983, S. 93
(18) Vgl. Kindel, 1999, S. 21 demnach stirbt Heimbach 1678 in Münster; Göttsche 1935, S. 19
(19) Morsbach, 1999, S. 97
(20) Reinbold 2011

Abbildungsverzeichnis:

(1) Wolfgang Heimbach: Selbstbildnis, 1660. Öl/Holz. In: Morsbach, 1999, S. 211 u. 217
(2) Wolfgang Heimbach: Nächtliches Gastmahl, 1640. Öl/Kupfer. In: Killisch; Müller; Reinbold: Oldenburg -
Kulturgeschichte einer historischen Landschaft 1998, S.225
(3) Wolfgang Heimbach: Selbstbildnis, 1660. Öl/Holz. In: Morsbach, 1999, S. 211 u. 217
(4) Wolfgang Heimbach: Graf Anton Günther von Oldenburg, um 1650. Öl/Leinwand. In: Gilly, 1983, S. 104
(5) Wolfgang Heimbach: Frühstücksstilleben mit Magd hinter einem Fenster, 1670. Öl/Leinwand. In Morsbach, 1999, S. 223 u. 228
(6) Wolfgang Heimbach: Vornehme Gesellschaft, 1636. Öl/Kupfer. In: Morsbach, 1999, S. 118ff.
(7) Wolfgang Heimbach: Badende Mädchen, 1652?. Öl/Kupfer. In: Morsbach, 1999, S. 156ff. u. 165
(8) Wolfgang Heimbach: Kücheninterieur, 1648. Öl/Leinwand. In Morsbach, 1999, S. 149f
(9) Wolfgang Heimbach: Jüngling mit der Kerze. Öl/Leinwand. In In: Morsbach, 1999, S. 139f.
(10) Wolfgang Heimbach: Der Kranke, 1669. Öl/Kupfer. In: Morsbach, 1999, S. 183 u. 191
(11) Wolfgang Heimbach: Bildnis des Georg Ludwig, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg (1660-1727), 1678 Öl/Kupfer. In: Morsbach, 1999, S. 214 u. 220
(12) Wolfgang Heimbach: Rückkehr der heiligen Familie aus Ägypten, 1657. Öl/Leinwand. In: Gilly 1973, S. 106f.