Oldenburg - Gesichter einer Residenz

Teufelsfratzen, Tiergestalten

Teils grimmig, teils bedächtig, immer aber hoch bedeutsam schauen sie auf jeden, der sich ihnen nähert: Teufelsgesichter, Götterfiguren und Tiergestalten in mancherlei Form. Als 1607 das neue Oldenburger Schloss seinen Fassadenschmuck bekam, ging es um die Selbstdarstellung eines Fürsten der Renaissance. Anton Günther von Oldenburg hatte 1603 die Herrschaft in Oldenburg angetreten und konnte sie in einer außerordentlich langen und glückreichen Zeit von über sechzig Jahren dort ausüben.

 
Schloss Oldenburg

Symbole der Herrschertugenden

Kostbarer Sandstein aus dem Weserbergland und die Künste der europaweit tätigen Bremer Bildhauer kamen zusammen, als der Graf die Symbole der Herrschertugenden zu einem weithin sichtbaren Gesamtprogramm der Herrschaft kombinieren ließ: der Elefant und der Adler als Ausdruck der Stärke, Kuh und Henne als Ausdruck der Sorge um das Vaterland sowie der Löwe als Inbegriff der Furchtlosigkeit. Freundliche Strenge strahlt er auch heute noch aus: Peter Friedrich Ludwig (1755-1829), der Oldenburger Herzog der Goethe-Zeit. Nach langer dänischer Verwaltung war er es, der Oldenburg als Residenzstadt wieder mit Leben erfüllte.

 
Raumaufnahme Schloss Oldenburg (LMO)

Das Schloss hatte schon unter seinem Vorgänger Friedrich August von Holstein-Gottorp einen neuen viergeschossigen Anbau bekommen, in dem vor allem der „Tanzsaal" (heute „Marmorsaal") für repräsentative höfische Veranstaltungen hergerichtet worden war. Im Jahre 1818 - Napoleon war besiegt und vertrieben - entstand schließlich der „Weiße Saal", ein weiteres Element bürgerlich-aristokratischen Zeitgeschmacks. Die Zeit schien stillzustehen, und alle Sehnsucht richtete sich auf Arkadien, jene ideale Welt des Südens, die sich Goethe unter Anleitung „seines" Malers Johann Heinrich Wilhelm Tischbein erschloss. Seit 1808 stand Tischbein in oldenburgischen Diensten, und hier verwirklichte er einen Plan, den er mit Goethe in Italien ersann.

 
J.H.W. Tischbein, Schwebende Nymphen im Tanze, (Entwurf nach 1787)

Von Nymphen und Faunen

Einen Zyklus von Idyllen bestellte Peter Friedrich Ludwig 1818 bei ihm - Nymphen und Faune, ein Flötenspieler in einer idealen, römischen Landschaft. Die Zeitgenossen werden hier die ferne Nähe pompejanischer Gestalten, aber auch zahlreiche Anspielungen auf das literarische Schaffen seines Dichterfreundes gesehen haben. Schwebend die einen, erdverhaftet die anderen, symbolisieren die Figuren in ihrer von Tischbein vorgegebenen Anordnung das Ideal einer gelungenen Verbindung von Kunst und Leben.

 
Strack-Saal im Schloss Oldenburg (LMO)

Inmitten des allgegenwärtigen Wandels versprach der Blick zurück schließlich Sicherheit und Halt. Die Fassaden der Oldenburger Stadthäuser bestanden in den Jahrzehnten vor 1900 aus einer bunten Mischung wiederbelebter Baustile. Davon machte auch das Schloss keine Ausnahme, als hier 1894 ein neuer Flügel mit einem großen Festsaal entstand. In der Fassade ganz im Stil der Renaissance gehalten, erstrahlt das Innere mit seiner Stuckdekoration in Weiß und Gold in den Prunkformen des Barock.

 
Arthur Fitger, Die Großherzogin Cäcilie von Oldenburg, 1898

"Heil Dir, o Oldenburg"

Dabei war es durchaus nicht immer der Großherzog gewesen, der in Fragen der Gestaltung das letzte Wort behielt. Vor allem um den Bremer Historienmaler Arthur Fitger, den der Oldenburger Baurat Freese für die Ausmalung des Festsaales vorgeschlagen hatte, gab es Streit. Stadt und Residenz behielten hier die Oberhand, und so konnte Fitger schließlich in bildlichen Erinnerungen an die Großherzogin Cäcilie schwelgen, die er beim Schreiben der Oldenburger Hymne porträtierte: „Heil Dir, o Oldenburg".

Dr. Karl-Heinz Ziessow

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg
Damm 1
26135 Oldenburg
Tel: 0441/2207300

Öffnungszeiten:
Di-So: 10 - 18 Uhr