Ein Ammerländisches Bauerngehöft allgemein

Hohe Eichen begrenzen das Gehöft. Den Mittelpunkt bildet das lang gestreckte Bauernhaus mit etwa 30 – 40 m Länge und 12 – 13 m Breite. Rechts und links davon liegen die Scheunen und der Wagenbau. Seitlich vom hinteren Teil liegt der Spieker (Speicher), in dem normalerweise im Ammerländer Bauernhaus der Backofen zu finden ist, wenn dieser nicht als besonderes Gebäude dem Spieker gegenüber errichtet ist. Bei älteren Höfen findet man noch ein kleines Gebäude mit einer Werkstatt zur Herstellung und Instandhaltung landwirtschaftlicher Geräte, die Timmerkamer, ferner auf der Linnenbleiche die Bleicherhütte. Abseits an erhöhter Stelle stand früher auf jedem größerem Hof im Ammerland der Bargfräd (Bergfried). Im Hoff, dem Garten, wuchsen Obstbäume und verschiedene Gemüsesorten zur Selbstversorgung. Zum Heranziehen der Pflanzen gab es eine besondere mit Spiräen und Liguster eingefriedigte Stelle, die Plantenstäer. Hinter dem Haus befand sich der Blumengarten, der Krudhoff, mit altmodischen meist ausdauernden Blumen. In einer Ecke des Gartens stand das Bienenhäuschen, der Immenschelf. Ein mit Gestrüpp (Eichen, Birken, Erlen Hülsen usw.) bepflanzter Erdwall umschließt einen Teil des Gehöfts, das im Ganzen nicht höher liegt als die Umgebung, eher etwas niedriger. Gebaut wurde auf einer „schuligen“ Stelle und nicht auf einer hohen Wurt als Schutz vor den Gezeiten wie sonst im Norden. Der Fahrweg, der durch einen Rollbaum versperrt werden kann, führt über den Holzhof gerade auf die Groddör des Bauernhauses zu.

 
Einraumhaus (VMAB)

Das Ammerländer Bauernhaus in Bad Zwischenahn

Es zählt man zum niedersächsischen Fachhallenhaus, obwohl es einige bauliche Eigentümlichkeiten aufweist. Normalerweise gibt es bei diesem Haustyp einen Steilgiebel mit zahlreicheren Fächern, der Giebel beim Ammerländer Bauernhaus ist aber durch einen schrägen Walm abgestützt. Über dem Giebel ist ein zurücktretender schräger Walm, über dem Ende des Firstes befindet sich ein Ulenlock (Eulenloch). Das Haus ist ganz mit Reit gedeckt und oben mit einem starken Heidefirst versehen. Die Groddör (große Tür) bildet den Eingangsbereich des Hauses. Sie hat eine durchlaufende Hälfte und eine zweigeteilte, die aus dem unteren Teil, der Süll (Sohle) mit den Aflöpern (Prellböcken) besteht und einen mittigen Düssel, ein senkrechter, herausnehmbarer Pfosten, an den sich die Türhälften lehnen. Ein Zingel (Gartentor) sperrt das Haus gegen frei herumlaufende Tiere ab. Unten neben der Groddör im ersten unteren Fachwerk befindet sich das Höhnerlock (Hühnerloch).

 
Dorfschmiede (VAMB

Tritt man in das Haus ein, sind rechts und links die Pferdeställe, die mit Holzstümpfen und Lehm gepflastert sind. An der Dahl (Diele, Tenne) zieht sich das Stapelwerk, die Ständer (Hauptträger), die die Balken tragen. Dreizehn Träger werden normalerweise als Stützgerüst verwendet, sodass zwölf Fack (Fächer) entstehen. Den großen Innenraum bildet die Lehm gestampfte Dahl (Diele, Tenne). Längs der Dahl ist ein schmaler Streifen mit kleinen Findlingen ausgelegt, der die Diele von dem Kuh-, Kälber- und Schweinestall abtrennt. Auf der Hille werden landwirtschaftliche Geräte und Torf aufbewahrt, dort ist der Höhnerwiem (Stangen für die Hühner) angebracht. Die Dahl läuft hinten im Hause in einen breiten Querraum aus, auch Flett genannt – der rautenförmig mit Backsteinen und kleinen Kieseln gepflastert ist. Dies ist der zentrale Bereich des Hauses, in dessen Mitte sich der offene Herd zum Kochen befindet. Von hier aus können Bauer und Bäuerin alles, was im Hause unter Menschen und Vieh vor sich geht, beobachten. Das Charakteristische dieses Haustyps, das Mensch und Vieh unter einem Dach zusammenleben, zeigt sich hier am offensichtlichsten.

 
Wagenschelf (VAMB

Über dem Herd spannt sich ein Rahmen mit halsförmig gebogenen Enden, die stilisierte Pferdeköpfe tragen. Vom Rahmen hängt der Kesselhaken herunter, der den Kessel oder den Topf über dem offenen Feuer hält. Der Kätelhaken hat am oberen Ende drei zapfenartige Fortsätze – aufgerichteten Eidfingern gleich -; er wird daher auch wohl Edhaken, (Eidhaken), bezeichnet. Wer als Verfolgter in den Bereich des Herdes kam, galt als unantastbar und „wohlgeborgen“. Durch Anfassen des Eidhakens wurden mündliche Verträge geschlossen. Rings um den offenen Herd stehen mit Binsen geflochtene Stühle für jung und alt. Abends saßen die Bewohner bei flackerndem Herdfeuer, Der Hausherr rauchte seine steen` Piep (Pfeife), die Frauen, die tagsüber am Herd mit dem großen Schleef (Suppenlöffel) hantiert hatten, spannen Wolle oder Flachs, der Großknecht flocht Körbe, die Magd schälte Örnöt (Kartoffeln). An der Wand hingen Bettpfannen mit Messingdeckel; in deren kupferne Becken glühende Kohlen kamen, mit denen die Betten angewärmt wurden.

 
Backhaus(VAMB

An beiden Seiten, vom Feuer abgewandt, befinden sich die Unterschläge. Auf der einen Seite mit einem langen Tisch, an dem die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen wurden und auf der anderen Seite stand die Richtebank (Anrichte) mit flachen zinnernen Tellern und runden Löffeln und anderem Zinngerät. Der Alkoven (Schlafraum für Bauer und Bäuerin) ist in der Hohwand hinter dem Herd durch verschließbare Schotten (Rolltüren) untergebracht, damit auch während der Nacht vom Bett aus alles beobachtet werden konnte. Der Alkoven ragt in die Midkamer, die Stube des Bauern, hinein; er ist nach dieser Seite offen. Weitere Alkoven befinden sich in den beiden Sideldörns, den seitlichen Stuben neben der Midkamer. Die Öfen in den Stuben werden von außen, vom Herd aus geheizt; sie sind aus rechtwinkligen Platten zusammengesetzt, wobei der Rauch direkt in die Diele durch eine Öffnung entweicht.

 
Bargfreed (VMAB

Neben dem Rahmen unter der Decke und in der Dahl hängen von den Wiemen, langen Hölzern, die von Balken zu Balken laufen, die leckeren Schinken und Würste herunter; die langsam im Holz- und Torfrauch, der vom offenen Herd aus durchs Haus dringt, geräuchert werden. In der rechten Sideldörns steht der Webstuhl, auf dem der Kleiderstoff für die Frauentracht hergestellt wird. Alle Fußböden außer der Midkamer bestehen aus gestampftem Lehm. Sie ist als „gute Stube“ des Hausherren mit einem Holzfußboden versehen.

Verein für Heimatpflege Bad Zwischenahn
Heimatmuseum Ammerland e. V.
Museum Ammerländer Bauernhaus
Am Hogen Hagen 2
Geschäftsstelle: Auf dem Winkel 26
26160 Bad Zwischenahn