Das osterlauwersfriesische Sprachgebiet

Die Ursprache der oldenburgischen Gemeinde Saterland, das Saterfriesische, ist der letzte Rest der osterlauwersfriesischen Sprache, die im Mittelalter von der Lauwers (dem Gebiet des heutigen nl. Lauwersmeer) bis an das rechte Weserufer (Land Wursten) gesprochen wurde und für den Zeitraum bis ca. 1550 als Altostfriesisch bezeichnet wird.

 
Sagter Ems (GSaterl)

Altostfriesisches Sprachgebiet

Wir teilen dieses altostfriesische Sprachgebiet in einen emsfriesischen Zweig, der die Groninger Ommelanden und Ostfriesland umfasst, und einen weserfriesischen Zweig, zu dem die Mündungsgebiete der Jade und der Weser gehören. Aus dieser Region sind aus der Zeit zwischen 1300 und 1450 zahlreiche Rechtstexte überliefert. Dieses urostfriesische Sprachgebiet verlor im Laufe der Jahrhunderte seine friesische Sprache, die von den niederdeutsch-niedersächsischen Mundarten überlagert und verdrängt wurde, vor allem weil die Urkundensprache der Region nicht das Friesische, sondern die niederdeutsch-niedersächsische Hansesprache war. Das Friesische starb bereits im Spätmittelalter in den Groninger Ommelanden aus, aber es lebte bis ca. 1800 im ostfriesischen Harlingerland weiter und erlosch endgültig mit dem Tode des letzten Wangerooger Friesen im Jahre 1950. Allein im Saterland wird das Osterlauwersfriesische von ca. 2 500 Menschen noch gesprochen.

 
Ansichtskarte aus Ramsloh (GSaterl)

Geschichte des Saterlandes

Die Gemeinde Saterland liegt im äußersten Nordwesten des Landkreises Cloppenburg und grenzt im Norden und Westen an die Landkreise Leer und Emsland. Das Saterland umfasst die vier Dörfer Strücklingen-Utende, Ramsloh, Scharrel und das erst um 1800 gegründete Sedelsberg mit den umliegenden Bauerschaften. Das Saterland war bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts dem allgemeinen Verkehr kaum zugänglich. Auf dem Landwege konnte man ins Saterland nur eindringen, wenn das Moor während eines besonders strengen Winters zugefroren war. Der Verkehr mit der Außenwelt fand hauptsächlich auf der Sater-Ems statt, die in dem Zusammenfluss der bei Vrees entspringenden Marka und der bei Sögel auf dem Hümmling entspringenden Ohe ihren Ursprung hat. Die Sater-Ems, auf Saterfriesisch ju Äi (< afr. thiu ê) ‚der Fluss’ genannt, durchfließt das auf einem 15 Kilometer langen und einen bis vier Kilometer breiten Sandrücken gelegene Saterland von Süden nach Norden und mündet in die Leda, einen Nebenfluss der Ems, die bei den älteren Einwohnern ju grote Äi ‘der große Fluss’ heißt.

 
Kapelle in Bokelesch (GSaterl)

Die friesische Landnahme im Saterland fällt in die Zeit um 1100, als heftige Sturmfluten die Nordseeküste wiederholt heimsuchten und Tausende von Opfern forderten. Århammar (1969) vermutet den Beginn der Besiedlung bereits im 10. Jahrhundert, aber für diese Annahme gibt es weder historische noch archäologische Zeugnisse. Infolge dieser Katastrophen begannen sich heimatlos gewordene Friesen, die vorwiegend aus dem Küstenraum zwischen Lauwers und Ems stammten, in der Tecklenburger Grafschaft Sögel (Comitia Sygeltra) niederzulassen, die damals das Saterland und einen großen Teil des Hümmlings umfasste. Die Friesen resorbierten die kleine westfälische Urbevölkerung und zwangen ihr ihre Sprache, eine emsfriesische Mundart der altostfriesischen Sprache, auf. Für die jetzt ausgestorbenen neuostfriesischen Mundarten des ostfriesischen Harlingerlandes und der Insel Wangerooge und das Saterfriesische verwenden wir den Sammelbegriff Osterlauwersfriesisch im Anschluss an den Terminus für das in der niederländischen Provinz Fryslân gesprochene Westerlauwersk Frysk.

Dr. Marron Fort

 
Der Bahnhof in Scharrel (GSaterl)