Auf halber Strecke zwischen Cloppenburg und Friesoythe gelegen, bietet das Naherholungsgebiet Thülsfelder Talsperre Ihnen eine Vielfalt an Eindrücken. Das idyllisch von Wäldern und Heide gerahmte Feuchtgebiet ist heute Rückzugsgebiet für selten gewordene Flora und Fauna. Sie erwandern sich das Naturschutzgebiet auf ausgezeichneten Wanderwegen, die Sie auch - an ruhigen Tagen - per Rad erkunden können. In einer weiteren Zone sind zwei Sandstrände aufgeschüttet, die entspanntes Baden ermöglichen.

 
Luftaufnahme Thülsfelder Talsperre (ZTT)

1,5 bis 2 Mill. Reichsmark

Heute ist kaum zu erkennen, dass der so urtümlich und natürlich wirkende See nicht hierher gehört: Erst 1923 beschloss der Oldenburgische Landtag die Anlage eines Staubeckens in der Soesteniederung - der Kostenvoranschlag belief sich auf 1,5 bis 2 Millionen Reichsmark. Tatsächlich betrugen die Kosten fast 3 Millionen Goldmark. Hauptmotiv waren die häufigen Überschwemmungen im alten Amt Friesoythe, die große Flächen der landwirtschaftlichen Nutzung entzogen, und die Hebung des Grundwasserspiegels für die umliegenden Ortschaften, wo zuvor wegen der Trockenheit der Cloppenburger Geest nichts angebaut werden konnte. Damals waren das gewichtige Gründe, denn die Schaffung landwirtschaftlicher Nutzflächen war von je her ein wichtiges Anliegen des Oldenburger Staates.

 
'Enteninsel' (SV)

Eine frühe ABM

Im Zuge der Notstandsmaßnahmen im Deutschen Reich fanden viele Arbeitslose bei den Erdarbeiten eine Beschäftigung und Lohn; zu Erntezeiten wurden aber auch Strafgefangene eingesetzt, um mit moderner Technik Becken und Damm zu schaffen. Eine Schleuse im Hauptdamm diente der Regulierung des Wasserstandes, um dem Küstenkanal genügend Wasser zu verschaffen. Von Anfang an war keine riesige Betonmauer vorgesehen, sondern wurden die natürlichen Bedingungen des Terrains ausgenutzt: Der Beckenbereich wurde vertieft und ausgeweitet, ein eher bescheidener Erddamm angelegt, und auch die alte Schleuse war eher nicht imponierend in ihrer Größe. In den letzten Jahren mussten die Dämme allerdings grundlegend renoviert werden, und auch der Schleusenbereich wurde ausgebaut und erneuert.

 
Der Strand (SV)

1 Meter Höhe entspricht 150 Hektar

Wegen der äußerst flachen Uferzonen, die die Entwicklung von Bruchwald begünstigen, aber auch unbeschwertes Baden an den Sandstränden ermöglichen, bedeutet der Anstieg des Wasserspiegels um einen Meter eine Verdoppelung der Wasseroberfläche auf 300 ha - eine erstaunliche Zahl, und ein herrlich romantischer Anblick, besonders bei Sonnenuntergang...
Die durch den Wechsel zwischen Flutung und Trockenfallen geschaffenen differenzierten Feuchtgebiete und die abwechslungsreiche Landschaft mit Wasser, Heide, Wald und Wiesen bieten ideale Bedingungen für eine Vielzahl von Vögeln, die man frühmorgens am besten erleben kann. Im seit 1938 bestehenden Naturschutzgebiet sollten Sie selbstverständlich die Wege nicht verlassen.

 
Schafherde (ZTT)

Die letzten Schnucken

Vor über 200 Jahren hatte ein Wanderer Mühe, in der Gegend irgendwelchen Schatten zu finden, so riesig und kahl war die Heidefläche. Die einzig mögliche Nutzungsart dieser Flächen war daher die Schafweide. Kein Mensch war zu finden, der nicht schafwollene Strümpfe strickte - einer der wenigen Exportartikel damals. Um so radikaler der Wandel zum heutigen Erscheinungsbild: Die letzte Heidschnuckenherde hat beinah Mühe, die letzten paar Hektar Heide vor der Verwaldung zu retten. Dafür bietet sich zur Heideblütenzeit im Spätsommer ein wunderbares Bild: Die violette Heide strahlt förmlich aus ihrem Rahmen von dunkelgrünen Kiefern mit gräulichen Stämmen und die hellen Sandwege leuchten bei Sonnenschein daraus hervor.

 
Der 'Friedensritter' (SV)

In der Nähe des südlichen Badestrandes und unweit des Waldkirchplatzes wurde eine ehemalige Flakstellung des zweiten Weltkrieges in ein Kunstwerk mit einbezogen.
Der ‚Friedensritter’ des polnischen Künstlers Antoni Haijdecki aus rotviolett glänzendem Backstein wacht seit 1980 über die Landschaft; besonders das Spiel des winterlichen Sonnenlichts auf den unterschiedlich strukturierten, vielfach gebrochenen Flächen ist ein ästhetischer Genuss.

Simone Vossmann

Informationen unter:
Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre
Eschstraße 29 (am Marktplatz)
49661 Cloppenburg
Tel.: 04471/15 2 56
Fax.: 04471/93 38 28