Bauern und bürgerliches Leben

Ein architektonisches Kunstwerk aus Eichenholz

Baumeister Wehage gebot im Mai 1750 über mehr als zweihundert Leute, als das mächtige Fachwerkgerüst aufgerichtet werden sollte. Immerhin waren gut und gerne zweihundert Kubikmeter Eichenholz verarbeitet worden.

Und als man sah, dass der Nachbar dabei war, einen noch weitaus repräsentativeren Bau zu errichten, hatte man das ganze Werk noch einmal neu zusammengefügt - die überflüssigen Bohrlöchern in den Ständern legen noch heute Zeugnis ab von diesem Wettstreit der Zimmerleute um den mächtigsten Giebel weit und breit.

 
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Freut Euch des Lebens

Wenn Tanzmeister Johann Heine 1816 in den Osnabrücker Bauernstuben in die Tasten griff, hielt es niemanden auf seinem Stuhl. Walzer war angesagt, und die Paare nahmen Aufstellung zum Tanz. Auf Französisch erteilte Heine seine Anweisungen, denn aus dem großen Nachbarland kamen die Tänze, zu denen er aufspielte: „quatre pas", eine „ronde", eine „promenade" und eine „halbe chaine" befahl er den Tänzern zum „Contredanse". Die moderne Musik der Zeit zog durch die Räume, und wenn Mozarts „Zauberflöte" angespielt wurde, dann dachte jedermann an den Nachklang der Französischen Revolution.

 
Strauss-Quadrille (MD)

Chapeau, Madame!

Die Stube war der Ort des vornehmen Lebens. Hier konnte man sich sehen lassen, und hierher bestellte man 1820 Caspar Dilly, den reisenden Silhouetteur, zum Porträt. Vornehm balancierte die Frau des Hauses die „Unter"tasse mit dem Kaffee in ihrer Hand. Ihr Empirekleid und das biedermeierliche Mobiliar brachten Wohlhabenheit zum Ausdruck. Die Zeit Napoleons war vorbei, und die alte Gesellschaft mit ihren Abhängigkeiten hatte ausgedient, trotz „Restauration" und alledem.

Dr. Karl-Heinz Ziessow

Die Wehlburg ist im Museumsdorf Cloppenburg zu besichtigen.

Museumsdorf Cloppenburg
Bether Straße 6
49661 Cloppenburg
Tel.: 04471/9484-0

Ganzjährig geöffnet
März bis Oktober 9 - 18 Uhr
November bis Februar 9 - 16 Uhr