Erste Darstellungen

Das Emsland wird im 16. Jahrhundert erstmals auf Karten des westdeutschen Raumes wiedergegeben. Zu dieser Zeit erhielt die europäische Kartografie wichtige Impulse durch die Entwicklung der abendländischen Seefahrt und die Entdeckungsfahrten der Portugiesen, denen es gelang, einen Seeweg nach Indien zu finden. Anschaulichkeit erhalten diese Karten durch realitätsnah dargestellte Städte, Wälder und Schiffe. Sie sind mit Kartuschen, Wappen und Zierschriften künstlerisch gestaltet. Zunächst entstanden "Plattkarten". Sie berücksichtigen die Krümmung der Erdoberfläche noch nicht und tragen keine Einteilung in Längen- und Breitengrade. Starke Verzeichnungen sind häufig, oft waren die Autoren der Karten nie selbst in dem von ihnen dargestellten Gebiet. Verbreitung fanden die Karten durch Kupferstiche. Von einer Platte konnten etwa 5000 Abzüge hergestellt werden.
Weitere Objekte zu den Themen:
Historische Karten
• Orte - Papenburg

 
Grooten, Christins (Christian Schrot 1532-1608): Karte von Westfalen mit Emsland, 1579 (EPB)

Das Emsland auf historischen Karten

Ein Beispiel für eine vielfarbige, anschauliche und dekorative Karte des 16. Jahrhunderts ist die Westfalenkarte von Christin s'Grooten aus dem Jahr 1579. Einige Grenzen sind falsch eingezeichnet und kleinere Orte fehlen. Osten liegt oben. Der kolorierte Kupferstich entstand vermutlich im Auftrag der spanischen Regierung, für die Christin s'Grooten den westfälischen Reichskreis zu militärischen Zwecken aufnahm.

 
Blaeu, Willem Janszoon (1571-1638): Befestigungsplan von Lingen, 1649 (EPB)

Befestigungsplan Lingen

Im 17. und 18. Jahrhundert erschienen neben den Übersichtskarten auch zahlreiche Detailkarten. Sie hatten verschiedene Funktionen, u.a. die Festlegung von Grenzen und die Planung von Kanalbauten. Eine solche spezielle Karte ist der Befestigungsplan von Lingen. Willem Janszoon Blaeu gab sie 1649 heraus. Sie zeigt die Belagerung Lingens 1579 durch Moritz von Nassau während der niederländischen Freiheitskriege im Kampf um die Unabhängigkeit von Spanien. Der kolorierte Kupferstich mutet wie viele Festungsdarstellungen abstrakt und fast modern an.

 
van der Aa, Pieter (gest. 1730): Landkarte des Westfälschischen Reichskreises, 1714 (EPB)

Vom Kunsthandwerk zur exakten Wissenschaft

Die Landmesser verfügten jetzt über eine bessere Ausbildung und die Karten wurden genauer. Die Projektion nach Gerhard Mercator setzte sich durch: Die Karten wurden nach Norden ausgerichtet, und die Winkel zwischen den einzelnen Vermessungspunkten auf den Karten entsprachen denen auf der Erde. Eine solche genauere Karte ist die des Westfälischen Reichskreises von Pieter van der Aa. Sie gibt Westfalen zwischen der Nordsee im Norden und der Lahn im Süden wieder. Die linke obere Ecke ziert eine Kartusche mit französischer Bezeichnung, die von Wappen, Bischofshut, Krone, Badenden und Getreidegarben umgeben ist. Städte, Wälder und Berge sowie die Landesgrenze sind farblich hervorgehoben. Die Zeit um 1800 kann als eine revolutionäre Epoche der Kartografie bezeichnet werden. Vermessungstechnische, kartografische und astronomische Hilfsmittel waren weiterentwickelt worden. Neben den technischen Möglichkeiten haben aber auch finanzielle Mittel und ein staatliches Interesse an genauen Karten zur Entstehung von Kartenwerken beigetragen.

 
Le Coq, Karl Ludwig von: Topographische Karte von Westfalen, um 1805 (EPB)

Erste flächendeckende Vermessung

Die erste flächendeckende Vermessung des Emslands erfolgte zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge der preußischen Landesaufnahme durch den Generalmajor von Le Coq. Die Karten sollten vor allem militärischen Zwecken dienen und waren für die "Demarkationsarmee" bestimmt. Ihr kam die Aufgabe zu, die Reichsgrenze im Westen gegen Frankreich zu schützen. Eines der insgesamt 22 Blätter erfasst Papenburg und Meppen. Die Gestaltung der Radierung ist wesentlich nüchterner als die früherer Karten.

 
Papen, A.: Landkarte des Emslandes zwischen Lingen und Meppen, 1845 (EPB)

Carl Friedrich Gauß

Eine Landesaufnahme von noch größerer Genauigkeit wurde 1815 vorgenommen, nachdem das Emsland an das Königreich Hannover fiel. Der König beauftragte den Mathematiker Carl Friedrich Gauß mit der Vermessung der neuen Gebiete. Die damals verwendeten Symbole und Merkmale sowie die "Gauß-Krüger-Projektion" werden heute noch in der Kartografie eingesetzt. Gauß bestimmte nicht nur die Strecken und Winkelverhältnisse der Vermessungspunkte untereinander, mit Hilfe astronomischer Verfahren ermittelte er zusätzlich die genaue Lage der Punkte nach geografischer Länge und Breite. Auf der Grundlage dieser Vermessungen entstand der "Topographische Atlas des Königreiches Hannover und des Herzogthums Braunschweig" des Artillerieoffiziers A. Papen. Karte Nr. 27 von 1845 zeigt das Gebiet des 1829 fertiggestellten Emskanals zwischen Lingen und Meppen.

 
Königlich-Preußische Landesaufnahme: Messtischblatt 2910 Papenburg, um 1890 (Reproduktion), (EPB)

Papenburg auf historischen Karten

Ab 1880 erfolgte eine neue Landesaufnahme nach dem Übergang Hannovers an Preußen. Dabei wurde der auch heute noch gebräuchliche Maßstab 1:25.000 verwendet. Das Messtischblatt 2910 Papenburg (eine Reproduktion) stammt aus dem Jahr 1890. Papenburg begann sich erst nach 1631 zu einer Fehnkolonie zu entwickeln. Damals kaufte der Drost Dietrichs von Velen die verfallene Papenburg und das östlich angrenzende Moor aus dem Besitz des Bischofs von Münster. Kanäle dienten der Entwässerung des Moors. Der gestochene Torf wurde über Ems und Nordsee abtransportiert und als Brennmaterial verwendet. 1780 fand Papenburg Anschluss an die Hochseefischerei. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war es einer der bedeutendsten Häfen für Handelsschiffe.

 
Holzkamp, Heinig, Kaske: Heimatkarte für den Raum Weser-Ems, 1941 (EPB)

Karten von heute

Durch neue Druckverfahren wurden im 20. Jahrhundert Karten erstmals für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich. Ein neuer Kartentypus kam auf: Die Sport- und Freizeitkarte. 1941 entstand die "Heimatkarte für den Raum Weser-Ems" im Maßstab 1:400.000. Wichtige Gebäude u.ä. sind gekennzeichnet, die Wege detailliert wiedergegeben und die Reichsstraßen rot hervorgehoben. Für die private Nutzung bestimmt, sind diese Karten anschaulich und farbenreich gestaltet. Die Karten werden im Laufe der Jahrhunderte immer genauer, verlieren aber zugleich ihren künstlerischen Reiz. Sie geben nicht nur Aufschluss über die Entwicklung der Kartografie, sondern sind zugleich historische Quellen. Sie dokumentieren die Veränderung des Emslands von einer dünn besiedelten und von Mooren durchzogenen Naturlandschaft zu einer dichter bevölkerten und von Menschenhand veränderten Kulturlandschaft.

Isabella Hanstein