Die Gedenkstätte Esterwegen ist ein europäischer Gedenkort, der an alle 15 Emslandlager und ihre Opfer erinnert.
Sie setzt ein Zeichen gegen Diktatur, Gewaltpolitik und Terror, gegen Nationalismus und Rassismus.
Sie fordert auf zum Engagement für Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.
Im Besucherinformationszentrum befinden sich heute die Ausstellungen, Seminarräume, eine Bibliothek, ein Archiv sowie eine Caféteria.
Dabei werden zwei in den 1970er Jahren errichtete Lagerhallen des ehemaligen Bundeswehrdepots genutzt, die durch ein neues Foyer verbunden sind.

 
Blick in die Hauptausstellung, Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen

Die Ausstellungen

Hauptausstellung 1933 - 1945
Die Hauptausstellung dokumentiert die Geschichte der Emslandlager 1933-1945 und stellt das Geschehen chronologisch im Kontext der Geschichte des „Dritten Reiches“ einschließlich der regionalen Bezüge dar.
Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Häftlinge bei der Arbeit im Moor sowie ihr Leben und Leiden in den Lagern.

Nebenausstellung 1945 - heute
Die Nebenausstellung behandelt die Nachgeschichte der Emslandlager, die als komplexer, verschiedene Phasen durchlaufender und bis heute andauernder Prozess zu begreifen ist.

 
Blick auf die Gedenkstätte Esterwegen mit dem ehemaligen Lagergelände und dem Besucherinformationszentrum

Das Außengelände

Die Landschaftsgestaltung macht die Spuren des früheren Lagers kenntlich und übersetzt nicht mehr sichtbare Teile der Lagertopographie, die für Gewalt und Bedrohung stehen, in eine moderne Formensprache (Stahlelemente).
Die Standorte der früheren Baracken werden durch „Baumpakete“ visualisiert.
Mit der Überschotterung des ehemaligen Häftlingsareals durch Lava soll eine rotbraune Moorlandschaft angedeutet werden.
Ein Stahlsteg verbindet den historischen Ort des Lagers Esterwegen mit einem benachbarten Moor, das stellvertretend für den Ort der schweren Zwangsarbeit steht.

Blick in das Foyer der Gedenkstätte Esterwegen, 2012 Stiftung Gedenkstätte Esterwegen

Die Emslandlager

Der preußische Staat ließ 1933 im Emsland acht Konzentrationslager für 10 000 politische „Schutzhäftlinge“ errichten. Tatsächlich genutzt und mit 4 000 Häftlingen belegt wurden ab Sommer 1933 drei Lager: Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum. Die Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit bei der Kultivierung der ausgedehnten Moorgebiete eingesetzt.
1934/35 bzw. 1937 (Esterwegen) wurden diese und vier weitere Lager der Reichsjustizverwaltung übergeben und als Strafgefangenenlager genutzt. Acht 1938/39 neu errichtete Lager und eines der vorhandenen übernahm im September 1939 die Wehrmacht und richtete sie als Kriegsgefangenenlager ein.
In den Lagern litten etwa 80 000 KZ-Häftlinge und Strafgefangene, während des Krieges kamen weit mehr als 100 000 Kriegsgefangene hinzu. Mehr als 20 000 Menschen aus verschiedenen europäischen Ländern sind in diesen Lagern umgekommen.< /p>

Blick in die Nebenausstellung,  Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen

Im April 1945 wurden die Gefangenen aus den sieben nördlichen Strafgefangenenlagern zusammengelegt, auf Räumungsmärsche geschickt und zuletzt im Lager Aschendorfermoor zusammengefasst, wo es zu einem Massaker kam. Die acht  Kriegsgefangenenlager im mittleren Emsland und der Grafschaft Bentheim wurden durch alliierte Truppen, darunter auch eine exilpolnische Einheit, befreit.
Nach Kriegsende nutzten die Briten Esterwegen als Internierungslager. In den anderen Lagern (und in zahlreichen Ortschaften) wurden bis 1948 zehntausende Displaced Persons, überwiegend Polen, untergebracht. In den 1950er Jahren dienten viele als Unterkünfte für Flüchtlinge und Heimatvertriebene. Belastung.

 
Postkarte (Zeichnung) des Strafgefangenenlagers Esterwegen Anfang der 1940er Jahre

Das Lager Esterwegen

Am Ort der heutigen Gedenkstätte errichtete der preußische Staat im Sommer 1933 das Konzentrationslager Esterwegen zur Unterbringung von politischen Häftlingen. Von 1934 bis 1936 unterstand das KZ Heinrich Himmler als Reichsführer SS unmittelbar. Er löste das KZ 1936 auf; das Nachfolgelager war das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin. Zu den wohl bekanntesten KZ-Häftlingen in Esterwegen gehört der Friedensnobelpreisträger des Jahres 1935, Carl von Ossietzky. Von 1937 bis 1945 war das Lager Esterwegen Strafgefangenenlager der Reichsjustizverwaltung. Während des Zweiten Weltkrieges waren hier und in mehreren anderen Lagern von Wehrmachtsgerichten verurteilte deutsche Soldaten inhaftiert. In einem Teil des Lagers Esterwegen („Lager Süd“) waren Widerstandskämpfer aus verschiedenen westeuropäischen Ländern, sogenannte „Nacht- und Nebel-Gefangene“, eingesperrt. In der unmittelbaren Nachkriegszeit diente das Lager der britischen Besatzungsmacht als Internierungslager. Von 1953 bis 1959 war es Durchgangslager für Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone (DDR). In dieser Zeit wurden alle Gebäude des ehemaligen Lagers abgetragen. Von 1963 bis 2001/2005 nutzte die Bundeswehr das Gelände als Depot.

 
Auszubildende und Mitarbeiter_innen niedersächsischer Sparkassen beim Besuch der Gedenkstätte, 25. April 2012

Die Gedenkstätte als außerschulischer Lernort

Themenvielfalt
Verfolgung, Ausgrenzung, Inhaftierung, Leiden und Sterben in Lagern gab es in der NS-Zeit nicht nur „weit weg“, sondern auch im Nordwesten Deutschlands, nahe der Grenze zu den Niederlanden. Diejenigen, die in den Emslandlagern litten, hier starben oder ihre Befreiung erlebten, in andere Haftstätten oder zurück an die Front verlegt wurden, kamen aus vielen Ländern Europas. Und viele gehörten jahrzehntelang „vergessenen“ Opfergruppen an.
Nicht bloß Verfolgung und Terror, auch Politik, Wirtschaft und Ideologie des Nationalsozialismus, vielfältig sich ergänzende und widersprechende Verknüpfungen zwischen NS-Führungsinstanzen und staatlichen, regionalen und lokalen Behörden, gewähren lassen und Widerstand der Bevölkerung und nicht zuletzt Unterjochung und Widerstand der Völker Europas lassen sich am Beispiel der Emslandlager eindringlich demonstrieren und exemplarisch erarbeiten

 
Blick auf den Eingang der Gedenkstätte Esterwegen, 4. September 2012. Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen

Zielgruppen und Programmvorschläge

Der Besuch der Gedenkstätte im Rahmen eines pädagogischen Programms eignet sich für Klassen aller Schularten ab der sechsten Jahrgangsstufe. Für Schüler_innen, außerschulische Jugend- sowie Erwachsenengruppen werden inhaltlich und sprachlich der jeweiligen Gruppe angepasste Programme angeboten, für die mindestens drei Zeitstunden eingeplant werden sollten. Mit einem einführenden bebilderten Vortrag, der Nachfragen und Diskussionen fordert, wird ein Überblick über die Geschichte der Emslandlager von ihrer Einrichtung 1933 bis zur Auflösung oder Befreiung 1945 gegeben. Für Schulklassen (bis Klasse 10) und Jugendgruppen werden anschließend in der Ausstellung Arbeitsbögen eingesetzt. Aufgabe ist dabei, sich in Zweiergruppen jeweils einer Häftlings- oder Gefangenenbiografie zu beschäftigen. Ziel ist es gleichzeitig die in der Ausstellung präsentierten Selbstzeugnisse, Dokumente, Bilder und Videointerviews eigenständig zu entdecken. Abschließend wird das Gelände des ehemaligen Lagers Esterwegen begangen.

 
Blick in die Cafeteria der Gedenkstätte Esterwegen 2015; Foto: Hotel Graf Balduin, Esterwegen

In Tagesseminaren, insbesondere mit Oberstufenklassen und Erwachsenengruppen, wird anhand der Ausstellung zur Nachnutzung der Lager der Umgang mit ihrer Geschichte von 1945 bis 2011 behandelt. Filmische Dokumentationen aus verschiedenen Jahrzehnten, so die von einem Treffen ehemaliger Häftlinge 1955, Wirkungen und Nachwirkungen des Moorsoldatenliedes von seiner Entstehung 1933 bis zur Gegenwart oder die landschaftsarchitektonische Gestaltung des Lagergeländes 2009 – 2011, auf dem neben wenigen freigelegten Bodenfunden keine baulichen Relikte mehr vorhanden sind, bieten hier unterschiedliche Zugänge.
Öffentliche Führungen, Vorträge, Tagesveranstaltungen; Exkursionen zu Lagerfriedhöfen und anderen ehemaligen Lagerorten sowie Seminare, auch in Zusammenarbeit mit anderen Bildungsträgern, gehören zu den weiteren Angeboten.

Dr. Andrea Kaltofen
Stiftung Gedenkstätte Esterwegen

Kurzinfo/Kontaktdaten

Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Hinterm Busch 1
26897 Esterwegen
Telefon: 05955 / 988950
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Öffnungszeiten der Gedenkstätte Esterwegen
Von 01. April bis 31. Oktober:
Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr
Von 01. November bis 31. März:
Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr
Montags und vom 15. Dezember - 15. Januar bleibt die Gedenkstätte Esterwegen geschlossen.
Am Ostermontag und am Pfingstmontag ist die Gedenkstätte Esterwegen geöffnet.

Die Caféteria
Besucher der Gedenkstätte Esterwegen haben die Möglichkeit, in der Cafeteria der Gedenkstätte zu verweilen.
Die Cafeteria wird von dem Gastronomiebetrieb Hotel Graf Balduin in Esterwegen bewirtschaftet.
Die Gruppenbewirtung von Bus-/Ausflugs- sowie Fortbildungsfahrten vereinbaren Sie bitte eigenverantwortlich mit dem Gastronomiebetrieb Hotel Graf Balduin (Ansprechpartner: Herr Kuhr; Tel. 05955/20200).

Bildnachweis

Postkarte (Zeichnung) des Strafgefangenenlagers Esterwegen Anfang der 1940er Jahre. Zeichner und Datum unbekannt. Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Blick in die Hauptausstellung, Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Blick in die Hauptausstellung, Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Blick auf die Gedenkstätte Esterwegen mit dem ehemaligen Lagergelände und dem Besucherinformationszentrum (Bildmitte rechts), 4. September 2012. Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Blick in das Foyer der Gedenkstätte Esterwegen, 2012 Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Blick in die Nebenausstellung, Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Postkarte (Zeichnung) des Strafgefangenenlagers Esterwegen Anfang der 1940er Jahre. Zeichner und Datum unbekannt. Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Auszubildende und Mitarbeiter_innen niedersächsischer Sparkassen beim Besuch der Gedenkstätte, 25. April 2012. Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Blick auf den Eingang der Gedenkstätte Esterwegen, 4. September 2012. Foto: Stefan Schöning, Stiftung Gedenkstätte Esterwegen
Blick in die Cafeteria der Gedenkstätte Esterwegen 2015; Foto: Hotel Graf Balduin, Esterwegen