Auf historischen Pfaden in Lingen

Viele Spuren der wechselvollen Lingener Geschichte sind im Stadtbild noch heute sichtbar, spürbar und erlebbar. Sie begleiten den Besucher bei einem Gang durch die Innenstadt auf Schritt und Tritt. Historische Baudenkmäler und Bürgerhäuser aus vielen Jahrhunderten dokumentieren in ihrem Baustil die vielfältigen kulturellen Beziehungen der Stadt.

 
Der Lingener Marktplatz (RHE)

Barockarchitektur

Das historische Rathaus am Marktplatz wurde 1555 nach einem großen Stadtbrand neu errichtet und erhielt 1663 bei einem Umbau seinen charakteristischen Treppengiebel im Stil der Amsterdamer Bürgerhausarchitektur. Es ist eines der markantesten Beispiele für die Ausstrahlung holländischer Barockarchitektur nach Nordwestdeutschland.

 
Die Posthalterei (AE)

"Alte Posthalterei"

Das daneben stehende Fachwerkhaus, die „Alte Posthalterei", entstand 1653 als Postamt der Hamburg-Amsterdamer-Postlinie", die hier drei Jahrhunderte lang ihre Mittelpunktstation hatte. Auf der Südseite erkennt man an seinem zierlichen Renaissancegiebel gleich das 1583 errichtete Haus der Kivelinge, ein sehr schmales, zweigeschossiges Bürgerhaus aus Backstein, das später in den Besitz der Junggesellen-Schützen überging.

 
Das Haus Hellmann (RHE)

Haus Hellmann und Haus Wichmann

Eines der schönsten Fachwerkhäuser im westlichen Niedersachsen ist das Haus Hellmann in der Burgstraße. Sein reich dekorierter Schnitzgiebel ragt insgesamt fünfmal in den Straßenraum vor. Auf den Balken finden sich Inschriften in lateinischer, niederdeutscher und niederländischer Sprache - alle drei Sprachen waren beim Bau des Hauses 1641 in Lingen sehr geläufig. Sehenswert ist auch das benachbarte Haus Wichmann, dessen schmiedeeiserne Maueranker das Baujahr 1655 angeben. Typisch für die damaligen Bürgerhäuser: nur die Straßenseiten des zweigeschossigen Hauses sind massiv gebaut, das dahinter liegende Gebäude ist aus Eichenfachwerk errichtet.

 
Die lutherische Kreuzkirche (RHE)

Die Altstadtkirchen

Die drei Altstadtkirchen, die katholische St. Bonifatius-Kirche, die reformierte Kirche und die lutherische Kreuzkirche, sind nicht nur wertvolle Baudenkmäler, sondern auch Zeugen der wechselvollen Kirchengeschichte. Zeigt die reformierte Kirche in der Kirchstraße noch mittelalterliche Züge, so weist die Kreuzkirche am Universitätsplatz alle Merkmale des Barockstils auf. Die St. Bonifatius-Kirche wurde im eleganten Stil des Klassizismus errichtet, während ihr hoher Turm und ihr gewaltiger Chorraum aus der Zeit des Historismus stammen. Verwinkelte Straßen und Gassen markieren die Altstadt, die von der „Stadtgrabenpromenade" auf dem Gelände des einstigen Festungsgürtels eingerahmt wird. Namen wie Castellstraße, Am Wall oder Kivelingsstraße halten die Erinnerung an die Historie lebendig.

 
Der Universitätsplatz (RHE)

Die historischen Plätze

Charakteristisch für Lingen sind die zahlreichen historischen Plätze im Stadtgebiet: Der Marktplatz als „gute Stube" der Stadt, der Andreasplatz mit dem Reliefbild des Heiligen Andreas, gestiftet 1695 von dem berühmten Lingener Arzt Dr. Andreas Wesken, oder der Universitätsplatz mit den Gebäuden der früheren „Hohen Schule" aus dem späten 17. Jahrhundert. Das "Professorenhaus" von 1685 beherbergt heute das Theaterpädagogische Zentrum der Emsländischen Landschaft mit einem Theatermuseum.

Dr. Andreas Eiynck