546.676 Pfund Tee aus China hatte das Handelsschiff „König von Preußen" an Bord, als es 1751 von seiner ersten Ostindien-Fahrt in den Emder Hafen zurückkehrte. Dies war der Start der Karriere der „Königlich-Preußischen Asiatischen Compagnie", die erst wenige Monate zuvor in Anwesenheit des preußischen Königs Friedrich II. gegründet worden war.

Was hier mit staatlicher Förderung begann, sollte jedoch schon bald Gegenstand massiver Reglementierung werden: die Begeisterung der Ostfriesen für das neue Getränk aus Asien war so groß, dass im Mai 1777 ein Erlass den Import dieses „chinesischen Drachengiftes" untersagte.

 
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Tee statt Bier: 6 Pfund Jahresverbrauch

Die Begeisterung für asiatische Produkte allgemein hatte ein Ausmaß erreicht, das die preußische Außenhandelsbilanz aus dem Gleichgewicht brachte. Mit Verboten ähnlicher Art versuchten damals auch andere europäische Landesherren die Wirtschaft zu steuern und blieben dabei ähnlich erfolglos: schon nach zwei Jahren war der Erlass wieder vom Tisch. Die königliche Empfehlung, statt des fremden Heißgetränks wieder das altvertraute heimische Bier als Alltagsgetränk zu bevorzugen, konnte die Ostfriesen schon in preußischer Zeit nicht überzeugen. Genau 172 Gramm Tee verbraucht heute der statistische Bundesbürger, sechs Pfund sind es dagegen, die jeder Einwohner zwischen Emden und Wittmund jährlich konsumiert.

 
Teedose, Dietrich Herrmann Brummer, 1756-1764 (OLM)

Sündhaft teuer: Tee aus der Apotheke

Gerade ein Jahrhundert hatte es gedauert, bis sich der Tee in Ostfriesland als „Nationalgetränk" etabliert hatte. Von Ostindien-Händlern aus dem benachbarten Holland haben die Ostfriesen im frühen 17. Jahrhundert vermutlich den ersten Tee geliefert bekommen. Zwar brachten arabische Kaufleute ihn seit dem Mittelalter nach Europa, er blieb jedoch wegen des hohen Preises fast unerschwinglich. „Sündhaft" teuer war zunächst auch die Importware der holländischen Ostindien-Kompanie, die anfangs nur von Apothekern gehandelt wurde.

 
Teekanne mit Schlangenhalstülle, Delft, Manufaktur Aelbregt Cornelius de Kaiser, 1642 (LMO)

Asien-Begeisterung: Tee und Tassen

Die allgemeine Begeisterung jener Jahre für asiatische Produkte sicherte bald auch den chinesischen und japanischen Trinkgefäßen aus Porzellan einen wachsenden Markt. Wohlhabende Kaufleute und adelige Gutsherren gaben den Emder Chinafahrern Abbildungen ihrer Familienwappen mit auf die Reise, um ein geschmücktes Service in Auftrag zu geben. Porzellan aus Asien galt bald als unverzichtbar im gehobenen Haushalt. Als Ersatz kamen gerade noch die Produkte holländischer Fayence-Manufakturen in Frage, die im gleichen Dekor gefertigt wurden.

 
Kanne, Zuckerdose und Tasse, Dekor Strohblume, Wallendorf um 1800 (SJV)

Die Farbe blau: Teetassen aus Thüringen

Blau sei die ideale Farbe für das Teegeschirr, so meinte der chinesische Autor Lu-Yün schon 1790 v. Chr. und er empfahl, ihn mit Freunden oder „schönen Liebchen" gemeinsam zu genießen. Besonders beliebt als Teegeschirr war und ist dabei das Dekor mit der sogenannten Strohblume in Kobaltblau. Daneben erfreut sich seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert das Dekor „Ostfriesische Rose" großer Beliebtheit.

 
Teemaß, um 1840 (OLM)

Trinkrituale: „Eben een Tass Tee“

Teetrinken - das ist in Ostfriesland weit mehr, als nur den Durst zu löschen. "Eben een Tass Tee" - dazu gehören neben den Tassen und dem Inhalt möglichst noch ein paar nette Gäste und die richtigen Utensilien. Da wären zum Beispiel folgende:


Waterkedel - Wasserkessel, zum Kochen des Wassers
Teebürss - Teedose zum Aufbewahren des Tees
Teedöpsel - Teemaß zum Portionieren
Treckpott - Teekanne, in der der Tee aufgegossen wird
Teestov - Stövchen, das den Tee in der Kanne heiß hält
Zuckertang - Zuckerzange, um die Kluntjes (Kandiszucker) in die Tasse zu befördern
Rohmleepel - Sahnelöffel, um die Sahne in die Tasse gleiten zu lassen
Teeleepel - Teelöffel, mit dem man den Tee nicht umrührt, sondern den man in die Tasse stellt, wenn nicht mehr nachgeschenkt werden soll
Ostfriesentee - die richtige Mischung von Teesorten aus Assam, Ceylon und Darjeeling
Das alles wäre noch zu wenig ohne die richtige Teezeremonie. Doch darüber informiert man sich am besten vor Ort: in Ostfriesland.


Wolfgang Hase