Der vielseitig begabte Hans Trimborn war Autodidakt, schuf aber in seinem Leben ein umfangreiches Werk mit einer ungeheueren künstlerischen Bandbreite. Mit seinem Namen verbindet man in erster Linie seine Landschaftsbilder, die Darstellung des norddeutschen Wattenmeeres wie auch seine Schiffs- und Hafenbilder. Daneben spielen Portraits, hier vor allem Frauenportraits einen bedeutendes Segment innerhalb seines Oeuvres. Weniger bekannt ist sein zeichnerisches Werk, das immerhin mehr als 200 Skizzenbücher und über 1000 Einzelblätter umfasst. Wie umfangreich sein Werk insgesamt ist, lässt sich nicht mehr feststellen, da ein Teil seiner Bilder im Ersten und Zweiten Weltkrieg zerstört worden ist, aber auch weil er selber häufig unachtsam damit umging. Seine Werke finden sich in Museen und vor allem in Privatbesitz.

 
Hans Trimborn: Rheinische Landschaft I, um 1913 (4)

Geboren wurde er am 2. August 1891 in Plittersdorf bei Bonn als ältestes Kind seiner schwedischen Mutter Margarethe Trimborn, geb. Koeb und seines Vaters Jean Trimborn, der als Zeichner beim Katasteramt arbeitete. Achtjährig zog er mit seiner Schwester zu seinen Großeltern, nachdem seine Mutter gestorben ist. Schon früh wurde man auf seine künstlerische Begabung aufmerksam, so spielte er in dem Gasthaus seiner Großeltern zur Unterhaltung der Gäste Klavier und signierte bereits als Gymnasiast Gemälde. Nach dem Abitur 1913 schrieb er sich auf Drängen seiner Großeltern an der medizinischen Fakultät in Bonn ein. Hier machte er erste Bekanntschaft mit dem rheinischen Expressionismus. Künstlerische Einflüsse vor allem von August Macke und Paul Seehaus, einem ehemaligen Klassenkamerad finden sich in den Werken aus dieser Zeit.

 
Martha Trimborn und Sohn Hannes in Norderney, um 1934 (5)

Medizinstudent, Feldunterarzt, Künstler auf Norderney

Ohne sein Studium abzuschließen wird er 1917 als Feldunterarzt in rheinische Lazarette abberufen, hier kommt er hautnah mit den Folgen des unmenschlichen Krieges in Kontakt, die sein weiteres Schaffen entscheiden beeinflussen. Neben seinem zeichnerischen Werk, entstanden hier auch die ersten Kompositionen nach Texten von Stephan George. Nach Kriegsende setzte er sein Medizinstudium in Heidelberg fort, brach es aber 1919 endgültig ab. Im selben Jahr heiratete er die Pianistin Martha Trapp und zog zusammen mit ihr als Maler und Musiker 1920 auf die Nordseeinsel Norderney.

 
Hans Trimborn: An der Promenade, um 1924 (6)

Kurkonzerte, Stummfilmaufführungen und "Kneipenmusiker"

Er spielte im Kurorchester, als Klavierbegleitung bei Stummfilmaufführungen oder als „Kneipenmusiker“. Häufig, bis zur Geburt 1921 des gemeinsamen Sohnes Hannes, zusammen mit seiner Frau. Durch seine Kammerkonzerte aufmerksam geworden, versuchte der Berliner Generalmusikdirektor Otto Klemperer „den besonders begabten und ideal gerichteten Künstler“ eine musikalische Karriere zu ebnen, die Trimborn aber anscheinend nicht ernsthaft interessierte. Er wollte sich nicht nur auf die Musik festlegen lassen “2.

Hans Trimborn: Frau mit Kaninchen, Anfang 20er Jahre (7)

Trimborn und die Worpsweder Künstlerkolonie

Durch Protektion des Bremer „Kaffeeunternehmers“ und engagiertem Kunstförderers Ludwig Roselius erhielt er Illustationsaufträge. Er machte ihn auch mit dem Worpsweder Architekt und Bildhauer Bernhard Hoetger bekannt. In Worpswede lernte er das Werk der Künstlerin Paula Modersohn-Becker kennen, das ihn tief beeindruckte. Neben den zahlreichen Schiffsdarstellungen und Bildern des Wattenmeeres, entstanden in der „Norderneyer Zeit“ stilisietrte Frauenportraits mit stark kontrastierende Hintergrund und „Mutter und Kind Darstellungen“, die an Paula Modersohn-Becker erinnern.

 
Hans Trimborn: Gekreuzigter, frühe 20er Jahre (8)

Aber auch religiöse und spirituelle Werke, wie Christus mit dem Lamm oder der Gekreuzigte spiegeln seine innere Zerrissenheit wider. Über diese Zeit schreibt Haneborger: „Findet Trimborn in den späten 20er Jahren zu seiner individuellen Bildsprache, die von weichem Pinselstrich, zarter Transparenz und feinmodulliertem Licht, aber auch von dem Ausdruck von Stille und Selbstverlorenheit gekennzeichnet ist, so entdeckt man Anfang der 30er Jahre wieder leuchtend gegeneinandegersetzte Rot- und Grüntöne und zarte Violettschattierungen […], die erneut an den Einfluss Mackes und der Rheinischen Expressionisten denken lassen“3.

 
Hans Trimborn: Norderneyer Fischerhaus, um 1922 (9)

Jena, Hamburg, Norderney, Lütetsburg

1931 nimmt Trimborn aus bisher nicht bekannten Gründen sein Medizinstudium in Jena wieder auf, setzte es in Hamburg fort und brach es 1932 wiederum ab und kehrte nach Norderney zurück. Auch auf dem fernen Norderney war das Herannahen der nationalsozialistischen Herrschaft zu spüren. Er war zwar ein politisch denkender Mensch und stand der Ideologie ablehnend gegenüber, aber sicher kein aktiv politisch handelnder Mensch. So nahm er, als Norderney offiziell als „Seefestung“ bestimmt wurde, die Einladung der Gräfin Theda zu Inn- und Knyphausen auf das Schloss Lütetsburg zu ziehen, dankend an. Kennengelernt hat die Fürstin Hans Trimborn während eines Urlaubsaufenthaltes auf Norderney und war seitdem eine Bewunderin seines Werkes. Elf Jahre sollte Hans Trimborn auf Schloss Lütetsburg verbringen. Die Ehe mit Martha war bereits vor dem Umzug 1939 zerrüttet; sie zogen aber trotzdem zusammen auf das Schloss, jedoch räumlich voneinander getrennt.

 
Hans Trimborn: Mädchen in blauer Bluse, um 1946 (10)

Bekannt vor allem durch Landschaftsdarstellungen, Portraits und Stillleben schuf er aber immer auch „politische Werke“. Bereits als junger Unterfeldarzt hatte er die Grausamkeit des Krieges miterleben müssen und, als sein Sohn 1943 schwer verletzt und für sein Leben lang stark psychisch beeinträchtigt von der Ostfront heimkehrte, fiel er in eine schwere Krise. Bilder wie „Krieg – Tod im Massengrab“ und „Gasmasken“ fallen in diese Zeit. Aber auch das Schicksal der Vertriebenen und Kriegsgefangenen hielt er in zahllosen Zeichnungen fest. In den 50er Jahren engagierte es sich, entsetzt über die Gründung der Bundeswehr stark gegen die Remilitarisierung. Gleichzeitig wurden seine Landschaftsdarstellungen aber auch 1943 anlässlich der „Gau-Kulturtage Weser-Ems“ in der Ausstellung „Maler der Heimat“ ausgestellt und von der offiziellen Presse hoch gelobt 4.

 
Hans Trimborn: Selbstbildnis mit Klarinette, 1932 (11)

"Die Optimisten..."

Aber nicht nur sein umfangreiches bildnerisches Oeuvre spiegelt sein künstlerisches Leben, auch die Musik, wobei er keine Unterscheidung in „ernster“ und Unterhaltungsmusik trifft. Immer wieder fand er Möglichkeiten mit anderen Künstlern oder auch alleine aufzutreten. So schloss er sich zusammen mit dem Musiker Heinz Wirtz nach dem Krieg der Kapelle „Die Optimisten“ an, die an den Wochenenden in ostfriesischen Tanzlokalen spielten und mit einem kabaratistischen, bzw. musikalischem Programm auftraten 5.

 
Hans Trimborn: Maria Immer in rotem Kleid, 1945 (12)

Bereits Anfang der 40er Jahre lernte er die sehr viel jüngere Organistin Maria Immer kennen, die er nach dem endültigen Zerwürfnis und der Scheidung von Martha 1950 heiratete und in die nahegelgene Ortschaft Arle zog. 1952 wurde der gemeinsame Sohn Jan Cornelius geboren. Über die künstlerische Entwicklung dieser Jahre schriebt Arndt: „Wir finden in diesen Jahren weiterhin Zeichnungen und Gemälde im Stil der voraufgegangenen Norderneyer und Lütetsburger Zeit, aber daneben nun eben Arbeiten sehr anderer Art. Es handelt sich dabei kaum einmal um Landschaften oder um Stilleben. Vielmehr sind es figürliche Darstellungen, in denen der Künstler verschiedenste mehr oder weniger radikale Formen von Realitätsverwandlung bis hin zu völlig ungegenständlichen Kompositionen entwickelt“ 6.

 
Hans Trimborn:  (13

Musiker und bildender Künstler

Ob er sich selber eher als Musiker oder bildender Künstler sah, lässt sich nicht einschätzen, beide Ausdrucksmöglichkeiten nutze er Zeit seines Lebens, wobei der Schwerpunkt im letzten Lebensjahrzehnt auf der Musik lag. Während man sich mit seinem bildnerischen Werk in zahlreichen Publikationen auseinandersetzte, steht die eingehende Beschäftigung mit seinem musischen Werk noch aus. Ernst schreibt hierzu: „Verschiedene Richtungen seiner Zeit bestimmten den Musiker Hans Trimborn, Spätromantik und Expressionismus, Jazz und Unterhaltungsmusik. Alle Bereiche führten ihn zu genialen Improvisationen, die oft auch der Schlüssel zu seinem notieren Werken sind. Gerade aber seine Improvisationen und die Art, wie er Klavier spielte, gehören zu den eindruckvollsten Erinnerungen an diesen Künstler“ 7.

 
Hans Trimborn: Das Künstlerhaus in Arle, um 1954 (14)

Das Künstlerhaus in Arle

Trimborn blieb bis 1960 in dem Haus in Arle, bevor er 1969 schweren Herzens in den Kurzen Weg in Norden übersiedelte. 1963 wurde er als geborener Rheinländer von der Ostfriesischen Landschaft durch die Verleihung des Indegenats „als ein wirklicher Eingeborener Ostfriese“ bezeichnet und gleichzeitig ausgezeichnet. Am 11. Oktober 1979 verstarb er und wurde auf dem Friedhof der evangelisch-reformierten Kirche in Bargebur beigesetzt.

Christina Hemken