Bischofssitz und Kloster

Durch die exponierte und strategisch zentrale Lage auf einem dem Teutoburger Wald vorgelagertem Bergkegel waren die Vorläuferbauten der spätere Iburg bereits in vorgeschichtlicher Zeit eine bedeutende Verteidigungsanlage. Bischof Benno II ließ im späten 11. Jahrhundert in der Kernburg den Bischofssitz des Bistums Osnabrück errichten und gründete in der Vorburg auf der Nordseite ein Benediktinerkloster.2 Aufgrund dieser Doppelfunktion zwischen Bischofssitz und Kloster kam es immer wieder zu Schwierigkeiten und Interessenskonflikten: „Mit Abtei und Residenz standen sich zwei verwaltungstechnisch, wirtschaftlich, baulich, politisch und geistig eigenständige Universen gegenüber. Sicher, man teilte sich den Berg, die Zufahrtswege, die Zugänge oder auch das Wasser. Doch jeder Meter Mauer oder Gartenland wurde zum Ernst-, wenn nicht Streitfall, sobald die Rechte der einen oder anderen Partei tangiert wurden […].3

 
Klosterkirche und Sakristei mit ehem. Kapitelhaus (später stark verkürztes Obergeschoss von Nordosten) (3)

Belagerung und Plünderung

Aber nicht nur „innere“ Konflikte suchten die Iburg in ihrer wechselvollen Geschichte immer wieder heim. Belagerungen mit Plünderungen und Zerstörungen zogen die Iburg in große Mitleidenschaft. 1553 wurde das Kloster geplündert und zu 4000 Talern Brandschatz gezwungen, als Chrisoph von Wrisberg und Dietrich von Quitzow die Burg einnahmen und gegen das Hochstift Osnabrück zogen. Die Besatzung im Dreißigjährigem Krieg durch die Niederländer und später Schweden zerstörte komplette Gebäudeteile. In der Zeit wurden die Mönche von den Belagerern vertrieben und kehrten erst drei Jahre vor Kriegsende in ihr Kloster zurück.

 
Franz Schaedler, „General-Plan von der vormaligen Bischöflichen Residenz zu Iburg vermessen im Jar 1776“, einschließlich der Residenz- und Klostergärten, Feder koloriert auf Papier (4)

Zu Situation nach dem Dreißigjährigem Krieg berichtet der Abt Maurus Rost in seinen Annalen: „Das Kloster noch belastet mit einer Schuld […]; mehrere Gebäude waren in Folge von Alter und Verwahrlosung verfallen und zerstört; machen Processe über Erbe, die dem Kloster gehörten, waren in der schlimmen Zeit des deutsch-schwedischen Krieges entstanden und schwebten noch; die drückenden Contirbutionen und die steten Kriegsunruhen hatten das Stift erschöpft; bei der langen und häufigen Abwesenheit des Fürsten regieren meist die Beamten, und es wurden fast alle Rechte des Klosters auf Veranlassung übelwollender Leute, und und merkwürdiger Weise selbst von katholischen Seite, in Frage gestellt.“4

 

 
Joseph Greitner, Elias auf dem Weg zum Horeb, Zentralkartusche im Deckenspiegel, Detail, Winterrefektorium (5)

Das Benediktinerkloster

Das Kloster, gegründet Ende des 11. Jahrhunderts, bestand bis 1803 als es in Folge der Säkularisation aufgehoben wurde. Auf das ehemalige Sockelgeschoss ließ Abt Adolph Hane Mitte des 18. Jahrhunderts einen zweigeschossigen Neubau, nach den Plänen des Architekten Johann Conrad Schlauns im Stil des Barocks umbauen, wobei die Fertigstellung aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem Abt von einem anderen Architekten abgeschlossen wurde. Das Kloster besteht seitdem aus einer dreiflügeligen Anlage, der Haupteingang wurde an die Nordseite verlegt und an der Ostseite befindet sich eine Schaufassade mit einem Mittelrisalit und überlebensgroßen Sandsteinfiguren von dem Heiligen Clemens und dem Gründer des Ordens, dem Heiligen Benedikt. In den Innenräumen haben sich Stuckdecken mit Malereien von Joseph Geitner erhalten, die zum Teil auf die ursprüngliche Nutzung der Räume anspielen5.

 
 Klosterkirche, Blick auf letztes Langhausjoch, Querhaus und Chor (6)

Klosterkirche St. Clemens und die Schlosskirche

Auf der Iburg befinden sich zwei Kirchen, die ehemalige katholische Klosterkirche St. Clemes und die evangelisch-lutherische Schlosskirche. Die St.-Clemens-Kirche geht auf dem Bischof Benno II zurück, dessen Grab sich auch in der Kirche befindet. Im 13. Jahrhundert wurde sie zu ihrer heutigen Form umgebaut. Im Zuge der baulichen Veränderung im 18. Jahrhundert durch den Architekten Schlaun erhielt sie eine barocke Ausgestaltung, später wurde sie nach der Mode im Stil der Neugotik umgestaltet. Nachdem das Kloster aufgelöst wurde, nutze man die Kirche zeitweise als Lagerraum. Die im Jahr 1664 geweihte Schlosskirche wurde von Ernst August von Braunschweig-Lüneburg errichtet. Zunächst war sie lediglich die Hofkapelle des Bischofs, erst Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie für die Allgemeinheit geöffnet.

 
 Benno II., Öl auf Leinwand, um 1660, Schloss Iburg, Rittersaal (7)

Achteckiger Bergfried oder auch Bennoturm

Der heutige Bergfried wurde auf einer Bausubstanz aus dem 11. Jahrhundert von Bischof Konrad von Rietberg Ende des 15. Jahrhunderts in seiner jetzigen Form errichtet. Die prägnante achteckige Form des sogenannten Bennoturms findet sich heute in dem Wappen des Landkreises Osnabrück wieder. In ihm wurden im 16. Jahrhundert u.a. münsterische Wiedertäufer bis zur ihrer Tötung gefangen gehalten.

 
Johann Krafft. Plan der Residenz Iburg aus der Bauphase 1654. Erdgeschoss mit Rittersaal, kolorierte Federzeichnung (8)

Bischöfliches Schloss

Zur ständigen Bischofsresidenz wurde das Schloss erst im 16. Jahrhundert. Bischof Philipp Sigismund von Braunschweig-Wolfenbüttel baute die Burg Anfang des 17. Jahrhunderts zu einer geschlossenen vierflügeligen Anlage aus. Er ließ auch den 12 mal 15 Meter großen Rittersaal errichten, der aber, wie auch weite Teile des Schlosses, durch den Dreißigjährigen Krieges schwer beschädigt wurde. Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg l ließ Ende des 17. Jahrhunderts zahlreiche bauliche Veränderungen und Erweiterungen vornehmen. Er beauftragte u.a. auch den Maler Vitorio Andreas Aloisius Romanuns mit der Ausmalung des Rittersaals.

 
Thronender Jupiter. Mittelbild der illusionistischen Deckenmalerei um 1656/60, Öl auf Leinwand, Schloss Iburg, Rittersaal (9)

Der Rittersaal

Der Rittersaal mit seiner Kassettendecke gehört zu den frühen deutschen perspektivischen Deckenmalereien, die auf italienische Vorbilder zurück gehen. Im Mittelspiegel ist in zentralperspektivisch Malerei Jupiter dargestellt, gerahmt von 8 Randkassetten mit Herkules Heldentaten vor antiker Architektur. In dem Rittersaal befindet sich auch die Bildnisgalerie aller 72 Bischöfe, die von dem Bischof von Wartenberg in Auftrag gegeben wurde und bis zur Säkularisation weiter geführt wurden6. Zum Kamin und den Kaminbildern: „Im Rittersaal […] ist ein monumentaler Kamin mit drei alttestamentarischen Szenen, die in mannshohen Bildern illustriert sind, vor die Ostwand gesetzt […]. Umgeben von mythologischen Deckenbildern mit Heroen und Göttern sowie einer Porträtgalerie der Osnabrücker Bischöfe, thematisiert das ikonographische Programm dieses Kamin Feuer, Strafe und Erlösung.“7.

 
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Familienleben auf dem Bischofssitz

Über das Alltagsleben im 17. Jahrhundert gibt Sophie von der Pfalz, oder auch Sophie von Hannover, die auf der Bischöflichen Residenz mit ihrem Mann, dem Fürstbischof Ernst August I von Braunschweig-Lüneburg und ihren Kindern lebte, beredet Auskunft. Ihre Ankunft im Jahr 1662 schilderte sie z. B. ihrem Bruder wie folgt: „Vor drei Tagen bin ich hier eingetroffen und befinde mich in einem sehr hübschen Hause, welches mich bei meiner Ankunft recht erfreut hat; alles, was daran in die Augen fällt, erscheint prächtig: Gerät, Möbel, Livreen, Wachen, Hellebarden“8. Obwohl das Leben im Schloss äußerst angenehm zu sein schien: „Wir spielen Kegel, ziehen Enten, halten Ringelrennen, spielen Trictrac, wollten jedes Jahr nach Italien, doch gehen die Dinge ganz gut für einen kleinen Bischof, der in Frieden leben kann“9 zog die Familie bereits fünf Jahre später in das Schloss in Osnabrück und 1680 dann nach Hannover, als ihr Mann das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg von seinem Bruder erbte.

 
Iburg14: Kloster Ostfassade, Nordhälfte mit Hauptzugang, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 423 (11)

Heutige Nutzung

Das Schloss Iburg ist heute im Besitzt des Landes Niedersachsen. Es ist Sitz des Landschaftsverbandes Osnabrücker Land e.V.. Außerdem beherbergt es das Schlossmuseum Iburg, das u.a. in der Dauerausstellung „Befestigung, Bischofsresidenz, Kloster – archäologische Forschungen auf der 1200 Jahre alten Iburg“ die Geschichte der Iburg veranschaulicht. Darüber hinaus ist die Iburg Sitz des Amtsgerichts Bad Iburgs und Sitz des Staatlichen Baumanagements Osnabrück-Emslands. Im Rittersaals des Schlosses werden seit über 30 Jahren regelmäßig Schlosskonzerte aufgeführt. Daneben finden eine Reihe anderer kultureller Veranstaltungen statt.

Christina Hemken

Anmerkungen

(1) Sophie von der Pfalz, in: Inken Formann; Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 306
(2)  Horst Rüdiger Jarck, in: Stadt Bad Iburg (Hg.) 1980, S. 49
(3)  Susanne Tauss, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 11
(4)  Die Klosterannalen des Abts Maurus Rost, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 17f.
(5) Vgl. Gerd Dehtlefsen, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 77ff.
(6) Vgl. Gerd Dethlefssen, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 269ff.
(7) Bianca Grommel, in: Susanne Tauss (Hg.): Der Rittersaal der Iburg 2007, S. 291
(8) Sophie von der Pfalz, in: Inken Formann; Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 306
(9) Sophie von der Pfalz, in: Inken Formann; Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 307

Abbildungsverzeichnis

(1) Thronender Jupiter. Mittelbild der illusionistischen Deckenmalerei um 1656/60, Öl auf Leinwand, Schloss Iburg, Rittersaal, in: Susanne Tauss (Hg.): Der Rittersaal der Iburg 2007, Tafel 10
(2) Der Rittersaal nach Westen mit Blick auf die Kredenz, in: Susanne Tauss (Hg.): Der Rittersaal der Iburg 2007, Tafel 8
(3) Klosterkirche und Sakristei mit ehem. Kapitelhaus (später stark verkürztes Obergeschoss von Nordosten), in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 416
(4) Franz Schaedler, „General-Plan von der vormaligen Bischöflichen Residenz zu Iburg vermessen im Jar 1776“, einschließlich der Residenz- und Klostergärten, Feder koloriert auf Papier, Staatsarchiv Osnabrück, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 410
(5) Joseph Greitner, Elias auf dem Weg zum Horeb, Zentralkartusche im Deckenspiegel, Detail, Winterrefektorium, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 437
(6) Klosterkirche, Blick auf letztes Langhausjoch, Querhaus und Chor, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 418
(7) Benno II., Öl auf Leinwand, um 1660, Schloss Iburg, Rittersaal, in: in: Susanne Tauss (Hg.): Der Rittersaal der Iburg 2007, Tafel 37
(8) Johann Krafft. Plan der Residenz Iburg aus der Bauphase 1654. Erdgeschoss mit Rittersaal, kolorierte Federzeichnung. Nds. Landesarchiv – Staatsarchiv Osnabrück, in: Susanne Tauss (Hg.): Der Rittersaal der Iburg 2007, Tafel 3
(9) Thronender Jupiter. Mittelbild der illusionistischen Deckenmalerei um 1656/60, Öl auf Leinwand, Schloss Iburg, Rittersaal, in: Susanne Tauss (Hg.): Der Rittersaal der Iburg 2007, Tafel 10
(10) Rittersaal, Doppelbildnis von Fürstbischof Ernst August I. Und seiner Gemahlin Sophie, 2. Hälfte 17. Jhd., in: Stadt Bad Iburg (Hg.) 1980, S. 211
(11) Kloster Ostfassade, Nordhälfte mit Hauptzugang, in: Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.) 2009, S. 423

Literatur

Heimatbund Osnabrücker Land (Hg.). Zusammengestellt und bearbeitet von Dr. Johannes Pohlmann und Johannes Dölle: Bad Iburg. Weg und Gestalt einer historischen Stadt. Bad Iburg 1984

Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V. (Hg.): Unter Lobpreis und göttlicher Leitung. Das Benediktinerkloster St. Clemens zu Iburg zwischen barocker Neugestaltung und Säkularisation. Beiträge der wissenschaftlichen Tagung „Die barocke Klosteranlage der Iburg. Klosterkultur und Klosterleben im 18. Jahrhundert“ Bad Iburg, 11. bis 13. Oktober 2007. Regensburg 2009

Stadt Bad Iburg (Hg.) Zusammengestellt von Manfred G. Schöckelborg: Iburg. Bedediktinerabtei und Schloß. Beiträge zum 900. Jahrestag der Klostergründung. Bramsche 1980

Susanne Tauss (Hg.): Der Rittersaal der Iburg. Zur fürstbischhöfischen Residenz Franz Wilhelms von Wartenberg. Beiträge der wissenschaftlichen Tagung vom 7. bis 9. Oktober 2004 auf Schloss Iburg. Göttingen 2007