Wallhecken prägen in vielen Gegenden Europas das Erscheinungsbild der Landschaft entscheidend mit, so beispielsweise im gesamten Mittelmeerraum und in Teilen Frankreichs sowie Großbritanniens. Auch hierzulande haben Wallhecken eine mehr als tausendjährige Tradition; Schwerpunkte ihres Verbreitungsgebietes sind der Nordwesten des Landes, der Weserraum sowie Schleswig-Holstein. Regional unterschiedlich werden sie Knicks, Hagen, Öwer oder Gebücke genannt. So unterschiedlich wie die Bezeichnungen ist auch das Erscheinungsbild von Wallhecken; dabei bieten sie dem Auge des Betrachters mit ihrem oft sehr alten Baumbestand jedoch zu jeder Jahreszeit einen gleichsam interessanten, eigentümlichen und wunderschönen Anblick. Trotz ihrer langen Geschichte, in der sie aus verschiedenen Gründen errichtet wurden, haben Wallhecken noch immer einen großen Nutzen für die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch für den Menschen.

 
Wallhecken (CH)

Erscheinungsbild von Wallhecken

Auch wenn der Begriff Wallhecke sehr geläufig ist, sollte dies keinesfalls auf eine Gleichförmigkeit in der Erscheinung hindeuten. Im Gegenteil weisen Wallhecken ein vielseitiges und abwechslungsreiches Aussehen auf. Zum einen können die Wälle selbst eine unterschiedliche Höhe und Breite haben, wobei sich dies in erster Linie nach dem einstigen Zweck richtet. Dabei kann eine Höhe von mehreren Metern und eine Breite bis zu zehn Metern erreicht werden. Ebenfalls kann der Wallkörper aus unterschiedlichem Material errichtet worden sein, abhängig von der Umgebung, aus der häufig das Material stammt. Hier kommen Erde, Sand, Steine oder Torf in Frage. Zum anderen weisen die Wälle auch einen verschiedenartigen Bewuchs auf. Meist besteht dieser aus einer Kombination von Gräsern und Hecken- bzw. Strauchgewächsen, wobei diese die Zwischenräume der in mehr oder weniger regelmässigen Abständen auf dem Wall gepflanzten Bäume füllen. Als verbreitete Pflanzenarten sind hier Eichen, Birken, Eschen, Erlen, Holunder und Weißdorn sowie viele Wildobstarten zu nennen, jedoch sind auch noch viele andere Pflanzenarten zu finden. Durch den Transport von Samen durch Vögel und andere Tiere ist die Vielfalt hier sehr ausgeprägt. Nicht selten werden Wallhecken in ihrem Verlauf von Gräben begleitet.

 
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Entstehung im Mittelalter

Die Motive für die Neuanlage von Wallhecken und damit auch deren Funktion änderten sich im Laufe der Jahrhunderte mehrfach. Die älteste Form der Wallhecken entstand bereits vor mehr als Tausend Jahren in Form von Flechtsteckzäunen, zu deren Anlage so vorgegangen wurde, dass in regelmässigen, relativ engen Abständen Pfähle in den Boden gesteckt und in die Zwischenräume dornige Heckenpflanzen gesetzt wurden. Diese wurden dann so umgebogen, dass sie an den Pfählen festgebunden werden konnten. Somit ergab sich sehr schnell ein dichtes Geflecht, welches den Menschen sowie deren Hab und Gut vor wilden Tieren und fremden Stämmen einen gewissen Schutz bot. Im 11. und 12. Jahrhundert hingegen entstanden neue Wallanlagen, um Privateigentum – häufig adlige Besitzungen – kenntlich zu machen und abzugrenzen. Im ausgehenden Mittelalter wurde die Anlage von Wallhecken vor allem unter militärischen Aspekten gesehen. Sie machten die Landschaft unübersichtlich und stellten für die Angreifer zusätzliche Hindernisse dar, während sie der einheimischen Bevölkerung zusätzliche Möglichkeiten der Verteidigung und des Hinterhalts boten.

 
Wallhecken (CH)

Entstehung in der frühen Neuzeit

Ab dem 16. und 17. Jahrhundert kann von einem klaren Funktionswechsel gesprochen werden. Die Entstehung von Wallhecken ist vor allem unter wirtschaftlichen Aspekten zu sehen. Hauptsächlich dienten sie nun dazu, das Vieh, welches auf den von der Dorfgemeinschaft gemeinsam genutzten Flächen, den sogenannten „Gemeinheiten“, gehalten wurde, von den ackerbaulich bewirtschafteten Flächen fernzuhalten und somit Schädigungen zu verhindern. Die Ackerflächen wurden somit von dichten Wallhecken umgeben; auch Wälder wurden auf diese Weise geschützt. Dies war teils auch schon im Mittelalter durchgeführt worden. Jedoch entstanden Wallhecken noch aus anderen Gründen neu. Durch die wachsende Bevölkerung waren viele Flächen übernutzt, was sich unter anderem in der grossflächigen Entstehung von Heidegebieten aus ehemaligen Waldgebieten niederschlug. Auch die Heidegebiete wurden mehr oder weniger intensiv genutzt, indem dort Humusplaggen zur Düngung der Felder gewonnen wurden oder ein Vieheintrieb, beispielsweise durch Schafe, stattfand. Hieraus ergaben sich zwei Probleme.

 
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Zum einen trat ein zunehmender Holzmangel auf, zum anderen kam es durch die Entblößung der Flächen zu Winderosion, wodurch sich Sand auf den Äckern ablagerte und deren Bodengüte und Fruchtbarkeit verringerte. Schon im Mittelalter kam es zu einer regelrechten Dünenbildung, wovon heute beispielsweise die Osenberge bei Sandkrug zeugen. Die Antwort auf beide Probleme wurde wiederum in der Anlage von Wallhecken gesehen, da man durch sie zusätzliches Holz gewinnen und gleichzeitig dem Wind ein wirksames Hindernis entgegensetzen konnte. Durch die im Laufe des 19. Jahrhunderts allerorts durchgeführten Gemeinheitsteilungen, d.h. die Überführung von bisher gemeinschaftlich genutzten Flächen in bäuerliches Privateigentum, wurde die Neuanlage von Wallhecken noch einmal stark befördert. Die Zuweisung von Land war mit der Verpflichtung der Abgrenzung verbunden, um einer weiteren gemeinschaftlichen Nutzung entgegenzuwirken und Grenzstreitigkeiten vorzubeugen. Wallhecken aus dieser Zeit weisen im Gegensatz zu früher entstandenen häufig einen sehr gradlinigen Verlauf auf.

 
Wallhecken (CH)

Bedeutung der Wallhecken heute und in Zukunft

Heutzutage entstehen neue Wallhecken vor allem aus Gründen des Sicht- und Lärmschutzes. Ihre Funktion als Grenzmarkierung oder -sicherung haben sie weitgehend verloren. Große Bedeutung haben sie aktuell und auch in Zukunft jedoch im Bereich der Ökologie, indem sie wichtige Rückzugsgebiete für die Tier- und Pflanzenwelt darstellen und somit dazu beitragen, die Artenvielfalt zu erhalten. Des Weiteren haben Wallhecken unter anderem einen positiven Einfluß auf das Kleinklima, indem sie Temperaturunterschiede abmildern und Schadstoffe aus der Luft filtern. Leider ist jedoch seit einigen Jahrzehnten ein Rückgang bzw. zumindest ein qualitativer Verfall des Bestands auch sehr alter Wallhecken zu beobachten. Dies hat eine Vielzahl von Gründen. Ein Aspekt ist sicherlich die fortschreitende Intensivierung der Landwirtschaft, im Zuge derer es zu Zusammenlegungen landwirtschaftlicher Flächen im Sinne einer besseren Bewirtschaftung kommt. Ebenfalls ist häufig das Wissen um die korrekte Pflege verloren gegangen oder es wird auf die Kosten derselben verwiesen. Auch spielt die Bebauung von Flächen eine Rolle. Hier ergibt sich häufig das Problem, dass Wallhecken in neueren Karten oft nicht verzeichnet sind, so dass eine Berücksichtigung schwer fällt, obwohl selbst eine Versetzung von Wallhecken mit den heutigen technischen Möglichkeiten kein Problem mehr darstellt. Insgesamt ist in dieser Frage sicherlich ein Zusammenwirken von Politik, Landwirtschaft und Bürgern gefragt, damit die immer noch umfangreich vorhandenen Wallhecken vor dem Verfall geschützt werden und sie auch in Zukunft ein charakteristisches Merkmal unsererer Landschaft darstellen.

Marius Halpaap

Literatur/Quelle 

Müller, Georg: Wallhecken. Entstehung – Pflege – Neuanlage am Beispiel der Gemeinde Ganderkesee und allgemeine Hinweise zu Wallhecken im nordwestdeutschen Raum, Wardenburg 1989.